Die Biennale 2026: „In Minor Keys“

Die 61. Biennale di Venezia läuft sein einigen Tagen! Ich möchte die Highlights dieser wichtigsten Ausstellung dieses Jahres in den kommenden Wochen hier vorstellen.

Die Biennale 2026 trägt in diesem Jahr den Titel In Minor Keys. Und schon dieser Titel verändert die Erwartung an diese Biennale grundlegend. Es geht nicht um große Gesten, monumentale Positionen oder spektakuläre Bilder. Der Begriff der „kleinen Tonarten“ – Molltöne – verweist auf Nuancen, Zwischentöne, auf leisere Formen der Wahrnehmung. Die Ausstellung versteht sich weniger als neues Manifest denn als Untersuchung von Gegenwart, Erinnerung und Sensibilität.

Kuratiert wird die Biennale von Koyo Kouoh, die ursprünglich im Dezember 2024 zur künstlerischen Leiterin der Ausstellung ernannt wird. Damit übernimmt erstmals eine in Afrika geborene Kuratorin die Leitung der Kunstbiennale in Venedig. Koyo Kouoh, geboren in Kamerun und lange in Senegal sowie Südafrika tätig, prägt in den vergangenen Jahren entscheidend die internationale Diskussion über Gegenwartskunst, Postkolonialismus und globale Ausstellungspraxis. Als Direktorin des Zeitz MOCAA – Museum of Contemporary Art – Zeitz MOCAA in Kapstadt entwickelt sie erfolgreich Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, die weltweit Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Die Biennale 2026 steht jedoch von Beginn an unter außergewöhnlichen Vorzeichen. Im Mai 2025 stirbt Koyo Kouoh überraschend, noch bevor die vollständige Ausstellung vorgestellt werden kann. Die Verantwortlichen der Biennale entscheiden sich gemeinsam mit der Familie von Koyo Kouoh, das Projekt dennoch in der konzipierten Form zu realisieren. Dadurch erhält diese Ausgabe eine besondere Intensität. In Minor Keys wird nicht nur zur kuratorischen Idee, sondern zugleich zu einem Vermächtnis.

Schon die ersten Räume zeigen, wie konsequent Koyo Kouohs kuratorischer Ansatz die Atmosphäre dieser Biennale bestimmt. Viele Arbeiten verweigern den unmittelbaren Effekt. Statt visueller Überreizung dominieren reduzierte Räume, fragile Materialien und langsame zeitliche Abläufe. Licht, Klang und Wiederholung werden zu zentralen künstlerischen Mitteln. Zahlreiche Positionen arbeiten mit seriellen Strukturen, offenen Formen und räumlichen Übergängen. Die Aufmerksamkeit verschiebt sich dadurch vom Einzelbild hin zur Erfahrung des Sehens selbst.

Positionen der Konkrete Kunst sind bei der diesjährigen Biennale eher spärlich vertreten. Einige wenige geometrisch-abstrakte, konkrete und konstruktivitische Arbeiten tauchen in unterschiedlichsten Kontexten auf. Dabei erscheinen sie nicht nostalgisch, sondern als gegenwärtige Formen der Orientierung. Gerade hierin entwickelt die Biennale eine unerwartete Verbindung zu Traditionen der Konkreter Kunst und des Minimalismus.

Die Ausstellung findet vom 9. Mai bis zum 22. November 2026 statt. Hauptorte bleiben die Giardini und das Arsenale, ergänzt durch zahlreiche weitere Ausstellungsorte in der Stadt. Insgesamt beteiligen sich rund hundert nationale Pavillons und es gibt zahlreiche weitere Veranstaltungen rund um die Biennale.

Ich werde in den kommenden Tagen ein wenig mehr zur Biennale und den Pavillions hier schreiben. Alle Informationen zur Biennale, die noch bis Ende November zu sehen ist, sind hier zu finden: Biennale Arte 2026

Hier noch der Link zu einem lesenswerter Nachruf zur verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh im monopol-Magazin: Überlebensgroß und doch so nahbar | Monopol

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