Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf widmet der US-amerikanischen Künstlerin Anne Truitt (1921–2004) die erste umfassende Einzelausstellung in Europa. Die Ausstellung ist bis zum 02. August zu sehen. Mit rund 120 Werken aus mehr als vier Jahrzehnten würdigt die Ausstellung im K20 eine Künstlerin, die in den Vereinigten Staaten längst als Wegbereiterin der Minimal Art gilt. Präsentiert werden Anne Truitts bahnbrechende Skulpturen der frühen sechziger Jahre, ihre farbig leuchtenden Arbeiten auf Papier, ihre Weiß-auf-Weiß-Malerei und ihre tiefschwarzen Piths, eine ihrer letzten Bildserien. Damit eröffnet die Ausstellung eine Neubetrachtung der Minimal Art und zeigt, dass diese Strömung durch Anne Truitts Einsatz von Farbe eine poetische, persönliche und sinnlich erfahrbare Seite besitzt.

Anne Truitt, Quipe, 1984, Acryl auf Holz, 213,4 x 45,7 x 45,7 cm © annetruitt.org / Bridgeman Images / Courtesy Matthew Marks Gallery
Geboren in Baltimore, wächst Anne Truitt an der Ostküste auf – eine Landschaft mit weitem Horizont und hölzernen Lattenzäunen, die sich später als Erinnerungsbild in ihren Skulpturen wiederfindet. Nach einem Psychologiestudium und ersten literarischen Versuchen besucht sie Kunstkurse Washington. Der entscheidende Moment kommt 1961: Bei einer Ausstellung im Guggenheim-Museum trifft sie vor Barnett Newmans Gemälden die Entscheidung, sich ganz der Kunst zu widmen.
In rascher Folge entstehen nun jene schlanken, aufragenden Holzkörper, für die sie berühmt wird. Anders als ihre männlichen Kollegen der Minimal Art, die industriell fertigen lassen, bleibt Anne Truitt eine „Studio-Künstlerin“: So trägt sie beispielsweise bis zu vierzig Farbschichten auf ihre Holzkörper auf, jede einzeln geschliffen, bis die Oberfläche eine samtige Tiefe gewinnt.
Mitte der sechziger Jahre verbringt sie einige Jahre mit ihrer Familie in Japan. Die dort erfahrene ästhetische Strenge und handwerkliche Präzision prägt ihr weiteres Schaffen nachhaltig.
Anne Truitt wehrt sich stets gegen das Etikett „Minimalistin“. Ihre Skulpturen tragen poetische Titel wie Summer Dryad und verweisen auf innere Zustände, auf Landschaften ihrer Biografie – von der Ostküste Marylands bis zu den Hügeln um Washington D.C.
Die Ausstellung im K20 präsentiert Werke aus allen Schaffensphasen, führt in Anne Truitts facettenreiche Biografie ein und beleuchtet die Mechanismen der Kanonisierung, die sie heute zu einer Wiederentdeckung machen. Ihre drei vielgelesenen Tagebücher sind in einer Leseecke zugänglich und geben Einblick in das Denken einer Frau, die gleichermaßen Künstlerin, Mutter und Suchende war.
Quelle dieser Einführung und alle Informationen zur Ausstellung: Anne Truitt 2026
Viel Spaß in Düsseldorf!
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