Heute zu einer meiner bevorzugten konkreten Künstlerinnen, die mich selbst schon so oft inspiriert hat. Ihre Konkrete Kunst – sehr beeinflusst durch die Kunst des Brasilianers Luiz Sacilotto – gehört zu den wichtigsten Positionen konkreter Kunst in Südamerika.
Mariella Agois‘ Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Malerei, Installation und architektonischem Denken. Linien, Raster und modulare Systeme bilden den Ausgangspunkt, doch ihre Kunst bleibt nie auf die Fläche beschränkt. Geometrie wird bei Agois zum räumlichen und wahrnehmungsbezogenen Ereignis.
Mariella Agois studiert zunächst in Peru und setzt ihre Ausbildung später in Europa fort, unter anderem in Lausanne. Früh entwickelt sie ein Interesse an konstruktiven und konkreten Ansätzen, ohne sich ihnen dogmatisch zu unterwerfen. Ihre künstlerische Praxis entsteht im Dialog zwischen peruanischem Kontext, südamerikanischer Konkreter Kunst und internationaler Moderne.
In den achtziger und neunziger Jahren beginnt Mariella Agois, mit geometrischen Strukturen zu experimentieren, die sich aus der Malerei in den Raum ausdehnen. Linien verlassen die Leinwand, Raster werden zu architektonischen Elementen. Ihre Installationen greifen in bestehende Räume ein, verändern Perspektiven und lenken Bewegungen. Der Betrachtende wird zunehmend Teil der Komposition. Formal arbeitet sie mit klaren, reduzierten Mitteln. Gerade Linien, monochrome Flächen und modulare Wiederholungen bestimmen ihre Bildsprache. Diese Reduktion erinnert an die Tradition der konkreten Kunst, doch ihre Anwendung ist flexibel. Geometrische Ordnung wird nicht als abgeschlossenes System präsentiert, sondern als offenes Gefüge, das sich im Raum entfaltet.
Ein zentrales Thema ihrer Arbeit ist Wahrnehmung. Die geometrischen Strukturen erzeugen optische Verschiebungen, Irritationen und neue Blickachsen. Räume erscheinen größer oder kleiner, Tiefe entsteht dort, wo zuvor Fläche war. Die Klarheit der Form führt nicht zu Stabilität, sondern zu Bewegung. Konkrete Kunst wird zur Erfahrung.
Im peruanischen Kontext nimmt Mariella Agois eine eigenständige Position ein. Während viele Künstlerinnen und Künstler – wie in den vergangenen Wochen hier aufgezeigt – Geometrie und Formensprache mit politischer oder kultureller Symbolik aufladen, konzentriert sie sich auf die Beziehung zwischen Form, Raum und Betrachter. Ihre Kunst ist analytisch, aber nicht distanziert. Sie fordert Aufmerksamkeit und körperliche Präsenz.
International wird Mariella Agois in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, darunter Biennalen und institutionelle Präsentationen in Lateinamerika und Europa. Ihre Arbeiten stehen im Dialog mit konkreten, konstruktiven und minimalistischen Positionen, behaupten jedoch stets ihre Eigenständigkeit. Geometrie erscheint bei ihr nicht als universelle Sprache, sondern als präzises Werkzeug der Untersuchung.
Jede Menge mehr zur Künstlerin auf deren Webseite: MARIELLA AGOIS und in ihrem Instagram-Auftritt:
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