Die erste Ausstellung konkreter Kunst in Brasilien: Exposição Nacional de Arte Concreta

1956 wird im Museum für Moderne Kunst in São Paulo (Museu de Arte Moderna MAM) die Ausstellung „Exposição Nacional de Arte Concreta“ eröffnet. Darüber habe ich bereits vorgestern geschrieben. Habe hier nochmals einen Text gefunden, der die Bedeutung dieser Ausstellung würdigt.

Ausstellung

Exposição Nacional de Arte Concreta, Ausstellungsflyer, 1956

„Auf Initiative der Konkreten Gruppe in São Paulo findet die Ausstellung im Museum für Moderne Kunst in São Paulo im Dezember 1956 und in Rio de Janeiro (Ministerium für Bildung und Gesundheit, Januar und Februar 1957) mit Künstlern aus beiden Städten. Die Ausstellung besteht aus Postern mit Gedichten, Bildwerken, Skulpturen und Zeichnungen sowie Vorträgen und Konferenzen. Das Magazin „Ad-arquitetura e decoração“ nimmt in der Ausgabe Nr. 20 die ausgestellten Werke auf und fungiert somit quasi als Ausstellungskatalog.

In beiden Ausstellungen (in São Paulo und Rio de Janeiro) werden Werke folgender Künstler gezeigt: Geraldo de Barros (1923 – 1998), Aluísio Coal (1920 – 2001), Waldemar Cordeiro (1925 – 1973), João José da Silva Costa (1931), Judith Lauand ( 1922) und Maurício Nogueira Lima (1930 – 1999). Darüber hinaus beteiligt sich als besondere Gäste der Veranstaltung die Lyriker Décio Pignatari, die Brüder Haroldo de Campos (1929 – 2003) und Augusto de Campos (1931), Ferreira Gullar (1930-2016) und Ronaldo Azeredo (1937-2006).

Die „Exposição Nacional de Arte Concreta“ zeigt die nationalen Ausprägungen der Konkreten Kunst, die in der bildenden Kunst seit den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts manifestieren, und die zurück geht auf die Erfahrungen der De Stijl-Gruppe …

Die „Exposição Nacional de Arte Concreta“ bringt die in Brasilien praktizierte konkrete Kunst zusammen und drückt auch Unterschiede zwischen Gruppen und Tendenzen aus. Den Bemühungen der Gruppe São Paulo, sich auf Konzepte der reinen Visualität der Form zu fokussieren, widersetzt sich der Rio-Gruppe zunehmend durch eine starke Verbindung zwischen Kunst und Leben – und somit eine stärkere Betonung auf Intuition … als wesentliche Anforderung an künstlerische Arbeit.

Die „Exposição Nacional de Arte Concreta“ markiert damit auch den Beginn des Neokonkretismus, der ab 1959 zunehmend Bedeutung erlangt. Das Manifest von 1959, unterzeichnet von Amilcar de Castro (1920-2002), Gullar, Franz Keller-Leuzinger (1835-1890), Lygia Clark (1920-1988), Lygia Pape (1927 – 2004), Reynaldo Jardim (1926-2011) und Theon Spanudis (1915) … wendet sich gegen konstruktive Orthodoxien und geometrischen Dogmatismus; die Neokonkreten verteidigen Freiheit des Experimentierens, die Rückkehr zu expressiven Absichten und die Rettung von Subjektivität.“

Quelle: „Exposição Nacional de Arte Concreta“, gefunden in Enciclopedia Itau Cultural, unter: http://enciclopedia.itaucultural.org.br/evento80977/exposicao-nacional-de-arte-concreta-1-1956-sao-paulo-sp, aufgerufen am 08.02.2018

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