Ole Schwalbe ist ein weiterer zentraler Akteur der konkreten und konstruktiven Kunst in Dänemark. Er hinterlässt ein Werk, das durch radikale Reduktion, kompromisslose Klarheit und eine faszinierende visuelle Ruhe besticht. Der dänische Künstler entscheidet sich früh für einen Weg abseits der klassischen Figuration.

In einer Zeit, in der viele Kunstschaffende nach emotionalem, wildem Ausdruck suchen, folgt Ole Schwalbe dem Konstruktivismus in seinen Werke. Er schließt sich der progressiven Künstlergruppe Linien II an, die ab den späten vierziger Jahren frischen Wind in die dänische Kunstszene bringt und den Weg für die Abstraktion ebnet. Für Ole Schwalbe ist die Leinwand ein Raum für mathematische Harmonie und optische Balance. Sein künstlerisches Credo lässt sich dabei denkbar einfach zusammenfassen: Weniger ist mehr. Ole Schwalbe reduziert seine Bildsprache konsequent auf die absoluten Grundlagen wie das Quadrat, den Kreis, die Linie und monochrome Farbflächen.
Betrachtet man ein Werk Ole Schwalbes, fällt sofort die makellose handwerkliche Präzision ins Auge. Die Oberflächen sind oft vollkommen glatt, sodass Pinselstriche kaum wahrnehmbar sind. Doch wer glaubt, diese Kunst sei kalt, steril oder seelenlos, irrt gewaltig. Ole Schwalbes Arbeiten besitzen eine ganz eigene, subtile Dynamik, die sich erst beim genauen Hinsehen entfaltet. Durch die Gegenüberstellung von harten Kontrasten, wie etwa reinem Schwarz und klarem Weiß, erzeugt er ein visuelles Flimmern auf der Netzhaut. Mittels der präzisen Anordnung geometrischer Formen scheinen die Flächen vor und zurückzuspringen, wodurch eine verblüffende Tiefenwirkung entsteht. Es herrscht ein perfektes Gleichgewicht, das auf den Betrachter eine fast meditative, beruhigende Wirkung ausübt. Ole Schwalbe geht es eben nicht darum, die sichtbare Welt abzubilden oder eine Geschichte zu erzählen. Er erschafft eine neue, eigenständige Realität, die rein aus dem Zusammenspiel von Farbe und Form besteht. Seine Kunst verlangt keine komplizierten Vorkenntnisse, sondern sie funktioniert unmittelbar über das reine Sehen.
Mitte der fünfziger Jahre begründete er die zweite Generation des dänischen Konstruktivismus, den er konkreten Realismus nennt. Nach Experimenten mit Farbe beschränkte er sich zunächst auf Schwarz-Weiß und und beginnt eine Werkphase mit positiven und negativen Kreissegmenten, ähnlich den Abdrücken einer Büroklammer. Ende der fünfziger Jahre fügt er dem Schwarz-Weiß Rot hinzu, um die drei wichtigsten Aspekte der Existenz darzustellen: Leben und Tod, Körper und Seele. Später entwickeln sich seine Schwarz-Weiß-Malereien mit Grautönen weiter und schlussendlich wereden die Werke ab Mitte der sechziger Jahre auch wieder farbig.
Neben der klassischen Leinwand hinterlässt Schwalbe auch einen bleibenden Eindruck im öffentlichen Raum. Seine architektonischen Dekorationen und großflächigen Wandbilder in verschiedenen dänischen Institutionen zeigen eindrucksvoll, dass konkrete Kunst den ganz realen Alltag der Menschen bereichern kann. Seine Kunst lädt uns auch heute noch dazu ein, im lauten Chaos der modernen Welt für einen Moment innezuhalten und die zeitlose Schönheit der reinen Geometrie zu genießen, die den Geist klärt und die Sinne schärft.
Jede Menge Fotos seiner Werke finden sich hier: Samlinger | Slots- og Kulturstyrelsen (ggf. „Schwalbe“ in Suche eingeben!)
Schreibe einen Kommentar