José Luis Alexanco – Technik als künstlerisches Werkzeug

Unter den Künstlern der spanischen Nachkriegsmoderne nimmt José Luis Alexanco eine gewisse Sonderstellung ein, obwohl er heute nicht mehr so sehr bekannt ist und fast in Vergessenheit gerät. Trotzdem spannend! José Luis Alexanco richtet seinen Blick auf die Beziehung zwischen Kunst und Technologie. Bereits Ende der sechziger Jahre arbeitet er mit Computern, entwickelt digitale Formgenerierung und gehört damit zu den Wegbereitern der Computerkunst in Europa.

José Luis Alexanco wird 1942 in Madrid geboren. Nach seiner Ausbildung in Zeichnung und Druckgrafik entwickelt er schnell Interesse an experimentellen Formen der Kunst. Ihn beschäftigt die Frage, wie sich Bewegung, Veränderung und Wachstum sichtbar machen lassen. Anders als viele konkrete Künstler, die mit statischen geometrischen Ordnungen arbeiten, interessiert ihn die Form als fortlaufender Prozess.

Sein entscheidender Schritt erfolgt 1968 mit der Teilnahme am Centro de Cálculo der Universität Madrid. Dort entsteht durch die Zusammenarbeit von Künstlern, Mathematikern, Informatikern und IBM einige der innovativsten Kunstprojekte der spanischen Avantgarde. José Luis Alexanco gehört zu den aktivsten Teilnehmern dieser experimentellen Gemeinschaft. Gemeinsam mit Wissenschaftlern entwickelt er Programme, die automatisch neue Formen erzeugen können.

Besonders bedeutend wird sein Projekt MOUVNT. Mithilfe dieses Computerprogramms untersucht er die Transformation dreidimensionaler Formen. Figuren können gedehnt, gedreht, verschoben oder miteinander verschmolzen werden. Der Computer wird dabei nicht als Ersatz des Künstlers verstanden, sondern als kreativer Partner. José Luis Alexanco interessiert sich für die Zusammenarbeit von menschlicher Vorstellungskraft und maschineller Berechnung. Hier ein Beispiel seiner MOUVNT Werke: Escultura MOUVNT.

Diese Experimente führen zu einer neuen Auffassung von Skulptur. Das Kunstwerk ist nicht länger ein festes Objekt, sondern Teil eines offenen Systems von Möglichkeiten. Aus einer Grundform können nahezu unendlich viele Varianten entstehen. Damit greift José Luis Alexanco Ideen auf, die heute selbstverständlich erscheinen und in generativer Kunst oder algorithmischem Design alltäglich geworden sind. Ende der sechziger Jahre sind sie jedoch noch revolutionär!

Parallel dazu arbeitet José Luis Alexanco an interdisziplinären Projekten. Gemeinsam mit dem Komponisten Luis de Pablo entwickelt er die Installation „Soledad Interrumpida“, eine Verbindung aus Licht, Klang, Bewegung und skulpturalen Elementen. Die Arbeit wird 1971 in Buenos Aires präsentiert und später bei den berühmten Encuentros de Pamplona gezeigt, die Alexanco gemeinsam mit de Pablo organisiert. Dieses Festival gilt als Höhepunkt der experimentellen Kunst im Spanien der Franco-Zeit. Mehr Informationen zum Projekt: Soledad interrumpida

Bemerkenswert ist, dass José Luis Alexanco trotz seiner technologischen Experimente nie den Kontakt zu traditionellen Medien verliert. Zeichnung, Malerei und Grafik bleiben wichtige Bestandteile seines Schaffens. Auch in seinen späteren Werken tauchen Themen wie Sequenz, Wiederholung, Raster und Transformation immer wieder auf. Die Logik des Computers beeinflusst seine Kunst, ohne sie vollständig zu bestimmen. Innerhalb der Geschichte der spanischen Konkreten Kunst bildet José Luis Alexanco eine Brücke zwischen der geometrischen Moderne und der digitalen Gegenwart. Wie Elena Asins oder José María Yturralde untersucht er systematische Strukturen, geht jedoch noch einen Schritt weiter: Ihn interessiert nicht nur die Ordnung der Form, sondern ihre fortlaufende Veränderung. Kunst wird bei ihm zu einem offenen Prozess, der sich ständig weiterentwickelt.

Leider funktioniert die Webseite des Künstlers nicht mehr; einige Informationen aber finden sich unter José Luis Alexanco | Galería BAT ALBERTO CORNEJO; mehr Informationen zum MOUVNT Projekt hier: Rhizome > blog > Prosthetic Knowledge Picks: Computational Sculpture Before 3D Printing (Vorletzter Teil des langen Artikels)

Hier eine spanischsprachige Einführung zu einer Ausstelung mit Werken des Künstlers

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