José María Yturralde und die unmögliche Geometrie

Weiter in meiner Reihe spanischer Konkreter Künstlerinnen und Künstler zu José María Yturralde. Mit ihm erreicht die spanische Konkrete Kunst eine neue Entwicklungsstufe, denn er verbindet die „traditionelle“ konkrete Kunst mit Wissenschaft, Technologie und Wahrnehmungsforschung. Er gehört zu jener Generation, die die Konkrete Kunst in das Zeitalter des Computers führt.

José María Yturralde wird 1942 in der Provinz Cuenca geboren. Seine künstlerische Ausbildung erhält er in Valencia, wo er später selbst Professor für Malerei wird. Schon früh interessiert er sich für die Verbindung von Kunst, Mathematik und Wissenschaft. Anders als viele Künstlerinnen und Künstler seiner Generation betrachtet er die Geometrie nicht nur als ästhetisches Mittel, sondern als Werkzeug zur Erforschung von Raum, Wahrnehmung und Erkenntnis.

In den späten sechziger Jahren nimmt José María Yturralde am renommierten Centro de Cálculo der Universität Madrid teil. Dort experimentieren Kunstschaffende, Wissenschaftler und Programmierer gemeinsam mit den Möglichkeiten des Computers. José María Yturralde gehört zu den ersten spanischen Künstlern, die digitale Verfahren für die Bildproduktion nutzen. Seine Ausstellung „Formas Computables“ von 1969 gilt als Meilenstein der frühen Computerkunst in Spanien. (mehr zu dieser für die digitale konkrete Kunst so wichtigen Ausstellung: 1968–71 Centro de Calculo de la Universidad de Madrid – Formas Computables)

Bekannt wird er vor allem dann durch seine Serie der „Figuras Imposibles“. Diese Werke zeigen geometrische Konstruktionen, die auf den ersten Blick logisch erscheinen, sich aber bei genauer Betrachtung als räumliche Paradoxien erweisen. Würfel, Prismen und polygonale Körper verschränken sich zu Strukturen, die gleichzeitig plausibel und unmöglich wirken. Die Betrachtenden werden eingeladen, ihre eigene Wahrnehmung zu hinterfragen.

Jose María Yturralde, Sammlung seiner Werke – auch mit einigen Figuras Imposibles

Typisch für diese Arbeiten sind leuchtende Farben vor dunklem Hintergrund. Die Formen scheinen im Raum zu schweben und erzeugen eine starke optische Spannung. Hier wird der Einfluss von Op Art und kinetischer Kunst deutlich, die José María Yturralde mit den Prinzipien der geometrischen Abstraktion verbindet.

In den siebziger Jahren erweitert er seine Forschungen durch Aufenthalte am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort beschäftigt er sich mit Themen wie Mehrdimensionalität, Hyperspace und computergestützter Visualisierung. Seine Kunst bewegt sich zunehmend an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technologie.

Doch José María Yturralde bleibt nicht bei technisch-rationalen Fragestellungen stehen. In seinen späteren Werkserien rücken Farbe, Licht und spirituelle Dimensionen stärker in den Vordergrund. Kreise, Farbverläufe und minimalistische Kompositionen verweisen auf kosmische Zusammenhänge und östliche Philosophien. Die Geometrie wird zu einem Mittel der Kontemplation. Gerade diese Verbindung macht sein Werk so außergewöhnlich. José María Yturralde vereint mathematische Präzision mit philosophischer Offenheit. Seine Bilder sind Forschungsobjekte und Meditationen zugleich. Sie fragen danach, wie wir Raum wahrnehmen, wie wir Ordnung erkennen und wo die Grenzen unseres Denkens liegen.

Innerhalb der Geschichte der spanischen Konkreten Kunst bildet José María Yturralde mit seinem Werke eine spannende Brücke zwischen den Pionieren der Nachkriegszeit und den digitalen Entwicklungen der Gegenwart.

Zum spannenden Webauftritt des Künstlers gehts hier: Yturralde – Home

Yturralde – Figuras Imposibles

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