Grupo Antes del Arte – Kunst und Wissenschaft

Noch eine wichtige Künstlergruppe! Nochmal Valencia! Zu den interessantesten Gruppen spanischer Künstlerinnen und Künstler gehört die Grupo Antes del Arte, die Ende der sechziger Jahre eine außergewöhnliche Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Wahrnehmungsforschung entwickelt. Obwohl die Gruppe nur kurze Zeit besteht, hinterlässt sie einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der geometrischen und experimentellen Kunst in Spanien.

Gegründet wird die Bewegung 1968 in Valencia auf Initiative des Kunstkritikers Vicente Aguilera Cerni. Gemeinsam mit Künstlern wie Eusebio Sempere, José María Yturralde, Jordi Teixidor, Joaquín Michavila, Ramón de Soto, Francisco Sobrino und weiteren Mitwirkenden verfolgt er ein ehrgeiziges Ziel: die Wiederannäherung von Kunst und Wissenschaft.

Der Name „Antes del Arte“ („Vor der Kunst“) verweist bereits auf dieses Programm. Die Gruppe interessiert sich weniger für das fertige Kunstwerk als für die Prozesse, die ihm vorausgehen. Im Mittelpunkt stehen Wahrnehmung, Struktur, mathematische Modelle und wissenschaftliche Methoden. Kunst soll nicht allein Ausdruck persönlicher Gefühle sein, sondern auf nachvollziehbaren Erkenntnissen beruhen. Die Mitglieder befassen sich intensiv mit Optik, Geometrie und Gestaltpsychologie. Sie untersuchen, wie das menschliche Gehirn Formen verarbeitet und welche visuellen Effekte durch Linien, Raster und Kontraste entstehen. Dabei greifen sie auf Erkenntnisse der Wahrnehmungsforschung zurück und beschäftigen sich mit optischen Täuschungen, mehrdeutigen Figuren und räumlichen Paradoxien.

Entsprechend entstehen Werke, die weniger dargestellt als erlebt werden. Bewegungen scheinen dort stattzufinden, wo keine Bewegung existiert. Flächen beginnen zu vibrieren. Räumliche Tiefen entstehen auf ebenen Bildgründen. Die Betrachtenden werden aktiv in den Wahrnehmungsprozess einbezogen und somit zu Mitgestaltenden des Kunstwerks.

Inhaltlich steht die Gruppe in engem Zusammenhang mit internationalen Entwicklungen wie der Op-Art und der kinetischen Kunst. Gleichzeitig knüpft sie an die Tradition der spanischen geometrischen Abstraktion an. Damit bildet die Grupo Antes del Arte eine Brücke zwischen der Konkreten Kunst der fünfziger Jahre und den technologischen Experimenten der folgenden Jahrzehnte.

Rückblickend erscheint die Grupo Antes del Arte, die sich bereits nach zwei Jahren wieder auflöst, als eine der intellektuell anspruchsvollsten Bewegungen der spanischen Nachkriegsmoderne. Die Gruppe verbindet die konstruktive Tradition der Konkreten Kunst mit wissenschaftlichem Denken und öffnet den Weg für viele Entwicklungen der digitalen und algorithmischen Kunst.

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