Poul Gernes – Farbe als gesellschaftlicher Raum

Weiter mit dänischen Konkreten Künstlerinnen und Künstlern zu Poul Gernes, der innerhalb der dänischen Kunst des 20. Jahrhunderts eine Sonderstellung einnimmt. Er arbeitet mit geometrischen Formen und klaren Farbflächen, steht der konkreten Kunst nahe und entwickelt daraus dennoch etwas Eigenes. Für Poul Gernes ist Kunst nicht nur ein Objekt im Museum. Sie soll sichtbar, öffentlich und gesellschaftlich wirksam sein.

Schon früh interessiert ihn weniger das autonome Kunstwerk als die Wirkung von Farbe im Raum. Während viele Vertreter konkreter Kunst auf Konzentration und formale Präzision setzen, denkt Poul Gernes größer. Schulen, Krankenhäuser, öffentliche Gebäude oder ganze Fassaden werden für ihn zu künstlerischen Arbeitsfeldern.

Werk „ohne Namen“ von Poul Gernes, 1965, Observatorieparken, Lund, Bengt ObergerPoul Gernes Utan titel Observatorieparken, Zuschnitt, CC BY-SA 3.0

Dabei bleibt seine Bildsprache erstaunlich einfach. Kreise, Streifen, Raster und kräftige Farben bilden die Grundlage vieler Arbeiten. Rot, Gelb, Blau oder Grün erscheinen oft in klaren Kombinationen und erzeugen eine unmittelbare visuelle Präsenz. Die Formen wirken leicht verständlich und fast spielerisch.

Gerade diese Zugänglichkeit ist für Poul Gernes entscheidend. Kunst soll nicht elitär sein. Sie soll den Alltag verändern und öffentliche Räume freundlicher, lebendiger und menschlicher machen. Damit verbindet er konkrete Kunst mit einer sozialen Idee.

Besonders bekannt werden seine großflächigen Farbgestaltungen in Krankenhäusern und Bildungseinrichtungen. Dort zeigt sich seine Überzeugung, dass Farbe direkte Auswirkungen auf Wahrnehmung und Stimmung besitzt. Architektur erscheint bei ihm nie neutral. Räume beeinflussen Menschen – und Kunst kann diese Räume verändern.

Trotz dieser Offenheit bleibt Poul Gernes präzise. Seine Arbeiten basieren oft auf klaren Systemen und Wiederholungen. Reihen, Muster und geometrische Ordnungen strukturieren die Farbflächen. Doch anders als in streng konstruktiver Kunst wirken seine Kompositionen selten kühl. Die Farben erzeugen Wärme und Bewegung.

Auch sein Verhältnis zur dänischen Designtradition ist interessant. Wie viele skandinavische Künstler verbindet Gernes Kunst mit Funktionalität. Gestaltung soll nicht nur schön sein, sondern Teil des gesellschaftlichen Lebens werden. Genau darin liegt seine Nähe zur konkreten Kunst in Dänemark.

Jede Menge mehr Fotos seiner Werk bei Samlinger | Slots- og Kulturstyrelsen; Und hier noch der Link zu einer Ausstellung seiner Werke im Jahre 2016: Poul Gernes – Louisiana Museum of Modern Art

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