Bis hierher habe ich nur einzelne spnische Künstlerinnen und Künstler vorgestellt. Jetzt mal zu den wesentlichen Gruppen Konkreter Kunstschaffender.
In den fünfziger Jahren entsteht in Spanien eine Gruppe, die einen neuen Weg der „Kunstforschung“ einschlägt. Für die Mitglieder von Equipo 57 steht nicht das einzelne Genie im Mittelpunkt, sondern die gemeinsame Forschung. Ihr Ziel ist es, Kunst als kollektiven Prozess zu verstehen und neue Vorstellungen von Raum, Form und Gesellschaft zu entwickeln.

Gegründet wird die Gruppe 1957 in Cordoba von Ángel Duarte, José Duarte, Juan Serrano, Agustín Ibarrola und Juan Cuenca. Die Künstler lernen sich in Paris kennen, das damals noch immer ein Zentrum der internationalen Avantgarde ist. Dort setzen sie sich intensiv mit Konstruktivismus, Konkreter Kunst und modernen wissenschaftlichen Denkmodellen auseinander.
Bereits der Name der Gruppe verweist auf ihren programmatischen Anspruch. „Equipo“ bedeutet Team. Die Werke werden bewusst nicht einzelnen Mitgliedern zugeschrieben, sondern als gemeinschaftliche Arbeiten präsentiert. Diese Haltung ist für die damalige Kunstwelt ungewöhnlich. Während viele Künstler ihre persönliche Handschrift betonen, versucht Equipo 57, individuelle Eitelkeiten zugunsten einer gemeinsamen Untersuchung zurückzustellen.
Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage nach dem Raum. Die Mitglieder lehnen die traditionelle Vorstellung eines Bildes als flache Oberfläche ab. Stattdessen entwickeln sie Kompositionen, in denen Formen miteinander in Beziehung treten und ein Gefühl von Bewegung und Kontinuität erzeugen. Linien verlaufen über die Bildfläche hinaus, positive und negative Formen greifen ineinander, und der Raum scheint sich ständig auszudehnen.
Ein Schlüsselbegriff ihrer Theorie lautet „Kontinuität des Raums“. Für die Gruppe existieren Form und Hintergrund nicht als Gegensätze. Beide bilden ein zusammenhängendes System. Dadurch entstehen Werke, die oft wie visuelle Schwingungen wirken. Der Blick des Betrachters wandert durch die Komposition und entdeckt immer neue Verbindungen.
Charakteristisch sind die geschwungenen, rhythmischen Strukturen vieler Arbeiten. Anders als die strengen rechtwinkligen Raster der klassischen Konkreten Kunst arbeiten die Künstler häufig mit organisch anmutenden Formen. Dennoch bleiben ihre Werke klar konstruiert und folgen präzisen Regeln. Die Verbindung von Geometrie und Dynamik wird zu einem Markenzeichen von Equipo 57.
Die Gruppe beschränkt sich nicht auf Malerei. Ihre Mitglieder interessieren sich ebenso für Architektur, Design und industrielle Gestaltung. Sie sind überzeugt, dass die Prinzipien konstruktiver Kunst das tägliche Leben verbessern können. Möbel, Innenräume und öffentliche Räume sollen nach denselben Ordnungsprinzipien gestaltet werden wie ein Kunstwerk. Damit knüpft Equipo 57 an die Ideen des Bauhauses und anderer Avantgarden an.
Zugleich besitzt ihre Arbeit eine gesellschaftliche Dimension. Im Spanien der Franco-Diktatur erscheint die internationale Sprache der Geometrie vielen Künstlern als Ausdruck von Modernität und geistiger Freiheit. Die konstruktive Kunst wird zu einem Gegenmodell zu kultureller Enge und Isolation. Ohne offen politisch zu sein, steht die Arbeit der Gruppe für Offenheit, Zusammenarbeit und intellektuellen Austausch.
Obwohl sich Equipo 57 bereits 1962 auflöst, bleibt der Einfluss der Gruppe beträchtlich. Ihre Ideen prägen zahlreiche spanische Künstler der folgenden Jahrzehnte und tragen wesentlich dazu bei, die geometrische Abstraktion in Spanien zu etablieren. Heute gelten ihre Arbeiten als wichtige Meilensteine der europäischen Nachkriegsmoderne.
Übermorgen zur Grupo Parpalló, die dann Valencia zu einem der wichtigsten Zentren der geometrischen und konkreten Kunst in Spanien macht.
Mehr Informationen und Fotos der Bilder der Gruppe: Equipo 57 — C A S S T L; einige wenige Fotos der Werke der Gruppe auf den Webseiten der Galería Rafa: EQUIPO 57 EN – Galería Rafa
Hier noch ein Film von und üer Equipo 57:
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