Vorgestern habe ich an dieser Stelle Richard Mortensen vorgestellt, einen der einflussreichsten, dänischen Künstler des letzten Jahrhunderts.
Richard Mortesen hat ein besonderes Verhältnis zu Hans Arp. Während seiner Zeit in Paris verabredet er sich mit Hans Arp zu einem gemeinsamen Projekt, dass in die Kunstgeschichte eingehen wird: ein malerischer Dialog aus geometrischen und vegetativer Formen. Über ein Jahr hinweg entstehen aus der Zusammenarbeit eine Reihe von gemeinsam signierten Werken als Ausdruck des Dialoges.

„Es handelte sich um eine Art Mietangebot. Mit zwölf Leinwänden kam der Maler Richard Mortensen 1960 aus seinem Pariser Atelier nach Meudon, wo ihn Hans Arp erwartete, der Lyriker unter den Dadaisten. Die beiden geistesverwandten Künstler hatten einen launigen bildnerischen Dialog verabredet: Der 73 Jahre alte Arp wollte sich buchstäblich „im Rahmen“ seines dänischen Bewunderers einquartieren, wenn dieser ihm eine akzeptable räumliche Perspektive eröffne.
Noch in Paris hatte Mortensen die Flächenteilung mit dem Zeichenstift skizziert und so zwölf muntere Grundrisse für den Einzug der geschwungenen Linien Arps entworfen. Die frei improvisierte Geometrie des Dänen mit ihren gegeneinander verschobenen Rhomben und Trapezen, den verwinkelten Drei- und Rechtecken, den tanzenden Ellipsen und Quadraten stellte dem Kollegen eine ganze Zimmerflucht für die Einreichnung organischer und vegetativer Motive zur Verfügung. Nachdem sich Arp mit weichem Bleistift eingenistet hatte, schritt Mortensen zur malerischen Vollendung. Auf dem ersten Format bettete er die Linie des verehrten Freundes mit breitem Pinsel in einen strahlenden Fond aus dünner Goldlasur und füllte anschließend die noch leeren Flächen mit kontrastierenden Rot-, Blau- und Grüntönungen.“
Ein ganzes Jahr lang gestaltete Mortensen die zwölf „Wohnungen“ für Hans Arp. Als Hans Arp ihm scherzhaft anbietet, seine Zeichnungen zu korrigieren, versucht Richard Mortensen es einmal – doch der Eingriff stört nur die Harmonie aus Linien, Farben und Flächen. Schließlich einigen sich die beiden Künstler auf acht gelungene Gemälde und signieren gemeinsam einen der schönsten Zyklen der geometrisch geprägten abstrakten Malerei.
Quelle des obigen Zitats: Günter Engelhard, „Richard Mortensen – Konkrete Abstraktion kann sehr gefühlvoll sein“, art magazin 08/96, S. 56f.
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