Das Museum Würth würdigt bis zum 8. November diesen Jahres die Malerin und BIldhauerin Gertrude Reum mit einer großen Einzelausstellung anlässlich ihres 100. Geburtstages. „Das Prinzip Verwandlung“, so der Titel der Austellung zeigt Arbeiten aus allen Werkphasen über 60 Jahren hinweg.
Getrude Reums Œuvre bedient sich unterschiedlicher Stile und technisch meist außerordentlich anspruchsvoller Materialien. Stets jedoch blieb sie dem Prinzip der Verwandlung treu. Einen zentralen Werkkomplex bilden die Metallarbeiten. Besonders ihr Spätwerk, luftige und zugleich kraftvolle meterhohe Stahlskulpturen, kennzeichnen schwingende Linien, Lichtbrechungen und das Spiel der Kräfte.

Edelstahl, Privatbesitz, und mehrere Zellstoffreliefs, Foto Ufuk Arslan © Nachlass Gertrude Reum
Mit Zeichnungen und Gemälden der fünfziger und sechziger Jahre, blickt die Ausstellung zurück zu Gertrude Reums künstlerischen Anfängen, in denen Einflüsse Vincent van Goghs oder Paula Modersohn-Beckers erkennbar sind. Ab Mitte der sechziger Jahre beginnt sie plastisch in Metall zu arbeiten. Nach Kompositionen mit Industriebauteilen, die bereits mit Licht und Bewegung spielen, beschreitet sie völlig neue Wege, zieht alle Register der mechanischen Bearbeitung. Die Künstlerin löst in Schliffen hauchdünne Linien aus Messing- und Aluminiumplatten, experimentiert mit Säure. Vibrierende, sich je nach Lichteinfall verändernde Bilder entstehen in den achtziger Jahren. Darstellungen von Lichtlinien, die ohne Anfang und Ende zu besitzen, in den Bildraum fließen und ihn wieder verlassen, können endlos ins Offene weitergedacht werden.
Ab 1990 gestaltet Gertrude Reum parallel beeindruckende Reliefs aus Zellstoff, einem weißen industriellen Zwischenprodukt. In das ungewöhnliche Material bringt sie durch Ritzen, Reißen und Befeuchten Furchen, Wölbungen und Krater ein; die Reliefs wirken zugleich archaisch und streng komponiert. Doch Chromnickelstahl, Edelstahl und Messing gehören zu den Werkstoffen, die Gertrude Reum fortan bevorzugt bearbeitet. Die Weiterentwicklung der Lichtlinien führt die Metallbildnerin zur Skulptur: Ab 1997 erschafft sie überdimensionale Plastiken aus sich gen Himmel windenden Chromnickelstahl-Rohren, , durch deren harmonische Gestaltung und kühle Ästhetik sie überregional Bekanntheit erlangt. Getrude Reums Arbeiten zieren heute Kirchen, Museen und viele öffentliche Orte, sei es in ihrer Heimatstadt Buchen, in ihrer Geburtsstadt Saarbrücken, in Wuppertal, Salzburg oder im Skulpturengarten rund um das Carmen Würth Forum in Künzelsau.
Die umfassende Schau versteht sich als Neuentdeckung einer Künstlerin, die zu den vielseitigsten ihrer Generation zählt und eine eigenständige und zugleich paradigmatische Position einnimmt.
Quelle dieser Einführung und alle Informationen zur Ausstellung: Gertrude Reum
Viel Spaß in Künzelsau!
Schreibe einen Kommentar