Piero Manzoni, Arte Nucleare, Achrome und Exkremente

Graf Meroni Manzoni di Chiosca e Poggiolo – so der volle Name von Piero Manzoni – wird nur 29 Jahre alt und stirbt bereits 1963, bevor die Konzeptkunst in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre eigentlich ihren Beginn hat. Er ist aber einer der Wegbereiter der Konzeptkunst und der Hauptvertreter der sogenannten Arte Nucleare, einer Gruppe von Künstlern, die den Abwurf der Atombomben auf Japan künstlerisch verarbeiten und die sich gegen die althergebrachten Ansichten und Praktiken der Akademien auflehnen.

Als Autodidakt als Künstler stellt Piero Manzoni 1956 im Alter von 23 Jahren zum ersten Mal aus. Wie seine italienischen Künstlerkollegen Alberto Burri und Lucio Fontana, sowie der Franzosen Jean Fautier – allesamt Vertreter des informellen Kunststil – experimentiert Piero Manzoni mit neue Materialien, vor allem Gips und schafft damit eine Werkgruppe, die er ‚Achrome‘ (Einfarbige) bezeichnet. Angeregt wird er zu diesen Achromen durch den Besuch einer Ausstellung von Yves Klein, in der er seine blauen Achrome zeigt. Bei den Achromen von Piero Manzoni handelt es sich im wesentlichen um unbemalte, durch den Auftrag von Gips bearbeitete, weiße und manchmal strukturierte Leinwände.

1959 eröffnet er zusammen mit dem italienischen Konzeptkünstler Enrico Castellani die Galerie „Azimuth“. Die beiden bringen eine gleichnamige Zeitschrift heraus, in der sie eine Verbindung von Kunst und Poesie anstreben, und Piero Manzoni distanziert sich mehr und mehr von der Arte Nucleare

Piero Manzoi, Artist’s Breath, 1960
Quelle: WikiArt, (c) Piero Manzoni, FairUse

Anfang der sechziger Jahre schließlich beginnt Piero Manzoni Achrome aus weißer Watte, Fiberglas, Kaninchenhaut und Brötchen herzustellen. Er experimentiert auch mit phosphoreszierender Farbe und Kobaltchlorid, mit dem Ziel, Werk zu schaffen, deren Farben sich im Laufe der Zeit ändern. Neben diesen fabrizierten Materialien und Farben werden die eigenen körperlichen Produkte und Merkmale des Künstlers zum Kennzeichen seiner Kunst. Neben seinem berühmten Artist’s Shit (Künstlerscheiße), in dem Piero Manzonis eigene Exkremente zu einer Reihe von Kunstobjekten werden, gehört auch die Verwendung von Fingerabdrücken, Blut und Atem zu seinem experimentellen Werk.

Piero Manzonis Reliefbilder beeinflussen die Mitglieder der ZERO-Gruppe maßgeblich, mit denen er zusammen ausstellt. Hieraus entstehen wiederum die ersten ‚pneumatischen Skulpturen‘ Piero Manzonis. Er versieht lebende Körper mit seiner Signatur, um diese dann mit einem Zertifikat als Kunstwerk zu erklären.

Hier der Link zur Webseite der Fondazione Piero Manzoni mit jede Menge weitere Informationen in englischer und italiensicher Sprache: Piero Manzoni; eine Reihe von Bildern seiner Achrome finden sich bei WikiArt

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