Malerisch und Linear

Zum Jahresende ein wenig Kunsttheorie – vom Malerischen und vom Linearen!

Die Unterscheidung zwischen „Malerisch“ und „Linear“ ist wichtig für die Einordung der unterschiedlichen Kunststile der Klassik als auch der Moderne und schlussendlich wichtig für das Verständnis der Konkreten Kunst.

Der Schweizer Heinrich Wölfflin gilt als einer der wichtigsten Kunsthistoriker des letzten Jahrhunderts. Sein 1915 erschienenes Hauptwerk „Kunstgeschichtliche Grundbegriffe“ ist zu einem Standardwerk der Kunstgeschichte geworden – insbesondere für den Vergleich der Kunst des Barock mit der Kunst der Renaissance. Heinrich Wölfflin verwendete das deutsche Wort malerisch, das seine englischen Übersetzer als „painterly“ ausdrücken, um die formalen Qualitäten der Barockkunst zu bezeichnen, die sie von der Kunst der Hochrenaissance oder der klassischen Kunst trennen.

Heinrich Wölfflin Büste
(c) Richard HuberCC BY-SA 4.0

„Malerisch“ kennzeichnet unter anderem die verschwommene, gebrochene, lose Definition von Farbe und Kontur. Das Gegenteil von malerisch ist eine klare, ungebrochene und scharfe Definition, die Heinrich Wölfflin als „linear“ bezeichnet. Malerisch also als Gegensatz von linear!

Die Trennlinie zwischen dem Malerischen und dem Linearen ist dabei allerdings keineswegs hart und klar. Es gibt viele Künstler, deren Arbeiten Elemente aus beidem kombinieren und deren malerische Handhabung mit linearem Design einhergehen kann und umgekehrt. Dies beeinträchtigt die Nützlichkeit dieser Begriffe oder Kategorien jedoch nicht. Mit Hilfe der Begriffe – und wenn wir bedenken, dass sie nichts mit Werturteilen zu tun haben – können alle möglichen Kontinuitäten und signifikanten Unterschiede in der Kunst der Gegenwart und der Vergangenheit aufgezeigt werden.

Die Unterschiede der Verwendung der Elemente ist die Grundlage der Unterscheidung verschiedener Kunststile. Die Konkrete Kunst ist fast ausschließlich linear, die Farbfeldmalerei oder der Futurismus sind ehr linear, der Abstrakte Expressionsmus besteht grundsätzlich aus Beidem, …

Jede Menge mehr Details und vor allem auch die Anwendung der beiden Begriffe auf die Kunst des Barrock und der Renaissance im Buch von Heinrich Wölfflin: Kunstgeschichliche Grundbegriffe

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