Alexander Rodtschenko erklärt das Ende der Malerei

Mit einem „Triptychon“ erregte russische Avantgardist Alexander Rodtschenko 1921 Aufsehen. Das Werk gilt bis heute als Beweis für die Radikalität des konstruktivistischen Künstlers. Ohne Struktur oder Muster besteht das Werk aus drei Gemälden mit nur jeweils einer einfarbigen Fläche — in Rot, in Gelb und in Blau.

Alexander Rodtschenko: Reine Rote Farbe. Reine Gelbe Farbe. Reine Blaue Farbe, 1918

Auf Außenstehende wirkt das Werk wie die Karikatur eines avantgardistischen Bildes. Doch Alexander Rodtschenko sieht darin die Quintessenz und in gewisser Weise auch die Krönung der Malerei. Er selbst sagte, mit diesem Werk habe er das „logische Ende“ der Malerei erreicht. Bis heute zerbrechen sich Kunstexperten über die Bedeutung dieser Aussage den Kopf.

Das „Triptychon“ fehlt in keiner Liste der wichtigsten avantgardistischen Werke und ist einer der Höhepunkt der Ausstellung 5×5=25, die 1921 in Moskau stattfindet. In dem dreiteiligen Werk antizipiert Alexander Rodtschenko die späteren Entwicklungen des Abstrakten Expressionismus und der Farbfeld-Malerei.

„In dieser Ausstellung sind von mir zum ersten Mal in der Kunst die drei Grundfarben proklamiert worden.“ So äußerte sich Alexander Rodtschenko im Katalog zur Ausstellung über seine drei monochromen Leinwände. Die Malerei ist hier zum Objekt geworden; sie stellt nichts mehr dar, außer sich selbst. Im Rückblick bewertet er 1939 selbstbewusst die Bedeutung des Triptychons für die Geschichte der Malerei: „Ich habe die Malerei zu ihrem logischen Ende gebracht und habe drei Bilder ausgestellt: ein rotes, ein blaues und ein gelbes, und dies mit der Feststellung: Alles ist zu Ende. Es sind die Grundfarben. Jede Fläche ist eine Fläche, und es soll keine Darstellung mehr geben.“Das „Ende der Malerei“ bedeutete für Rodtschenko nicht, sich als Künstler zur Ruhe zu setzen. Er experimentierte weiter als Grafiker, Architekt und Fotograf. Seine Aufnahmen sind es auch, die viel zu seiner weltweiten Bekanntheit beigetragen haben. Er schoss seine Motive aus ungewöhnlichen Perspektiven und Winkeln. Werke wie „Mädchen mit Leica“ oder „Portrait der Mutter“ sind Ikonen der Fotokunst und werden noch heute als Poster verkauft.

Quelle: vgl. Michael Philipp, Ortrud Westheider: „Rodtschenko – Eine neue Zeit.“ Bucerius-Kunst-Forum, Hamburg, Hirmer Verlag, 2013

Mit Alexander Rodtschenkos „Ende der Malerei“ soll auch meine kleine Reihe über die russische Avantgarde zu einem vorläufigen Ende kommen. In den kommenden Tagen mal wieder mehr über die Konkrete Kunst.

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