Von modernen Kunst und zeitgenössischer Kunst

Die Begriffe ‚modern‘ und ‚zeitgenössisch‘ werden oft synonym verwendet. Moderne Kunst – Zeitgenössische Kunst. Gibt es tatsächlich einen Unterschied zwischen ihnen? Und wenn ja, was ist der Unterschied?

Eine Antwort ist einfach: die Zeit!

Moderne Kunst kam vor der zeitgenössischen Kunst. Die meisten Kunsthistoriker legen den Beginn der modernen Kunst im Westen in die sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Und die moderne Kunst geht dann so 100 Jahre lang bis Ende der 1960er Jahre.

Dann kommt erstmal irgendwie nichts und dann kommt zeitgenössische Kunst: Zeitgenössische Kunst wird in der Gegenwart gemacht – Kunst der Gegenwart.

Franz Marc, Der Turm der blauen Pferde, 1912/1913. Deckfarbe und Tusche auf Papier, Staatliche Graphische Sammlung München

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Moderne Kunst: Moderne Kunst und ‚Moderne‘ war eine radikale Abkehr von der Art der Kunst, die davor gemacht wurde; die Ablehnung der traditionellen Perspektiven und Gegenständen war besonders innovativ und sind die Neuigkeiten, die als modern angesehen werden.

Für viele Kunsthistoriker fängt die moderne Malerei mit Édouard Manet an. Der Wegbereiter der Moderne, wie er auch genannt wird, löst sich von der Vergangenheit und öffnet mit seinem Werk die Möglichkeit, weg von Realismus und Gegenständlichkeit zu experimentieren. Eine neue Ära beginnt mit Stilen wie dem Impressionismus, Postimpressionismus, Japonismus , Fauvismus, Kubismus , Futurismus und Expressionismus. In den 1960er und 70er Jahren kommt es zu einer bedeutenden Veränderung in der Auffassung von Kunst. Während bislang fast immer das ‚Genie‘ des Künstlers im Mittelpunkt des Interesses und der Erklärung von Kunst stand, wenden sich aufkommende Stile wie Pop-Art, Minimalismus, Konzeptkunst und Performance-Kunst davon ab. Das Kunstwerk tritt in den Mittelpunkt. Die Werke sind oft technisch nicht anspruchsvoll – statt Schönheit, Ausdruck und Form sind Künstler jetzt oft mehr an dem Konzept hinter dem Kunstwerk interessiert, so dass nun Kunstwerke in unterschiedlichsten Formen und Techniken entstehen: Video, Performance, Installation und vieles mehr wird nun in Galerien oder traditioneller Kunsträumen ausgestellt; hinzu kommen immer mehr Kunstwerke im öffentlichen Raum. Ein wichtiger Teil dieser zunehmend zeitgenössischen Kunst ist nicht mehr nur der handwerkliche Pinselstrich oder die vollendete Oberfläche einer Marmorskulptur, sondern es ist mehr und mehr der Eindruck, den ein Kunstwerk bei Betrachter hinterlässt. Zeitgenössische Kunstwerke konzentrieren sich oft auf die Wirkung auf, und die Reaktion eines Betrachters eines Kunstwerkes.

„Aber ist dies Kunst?“ „Meine vier Jahre alte Tochter könnte dies auch!“

Fragen und Reaktionen wie diese, zeigen, dass zeitgenössische Künstler ihre Arbeit richtig machen. Sie folgen nicht mehr unserer gelernte, klassischen Vorstellung von ‚Ästhetik‘. Zeitgenössische Künstler lösen sich vielmehr bewusst von dem philosophischen Anspruch der Ästhetik, ‚schöne‘ Kunst als Kunst zu definieren. Die zeitgenössische Kunst wird damit oft zu einem Experiment: Was ist Kunst und was kann Kunst sein? Ein Haufen Steine von Walter dem Maria, ein Urinal von Marcel Duchamp, ein Schwarzes Quadrat vom Kasimir Malewitsch, Gummibärchenskulpturen von Jeff Koons, …

3 Gedanken zu “Von modernen Kunst und zeitgenössischer Kunst

  1. Im Grunde, so meine ich, knüpft die zeitgenössische Kunst an die alte Glaubenskunst an, dh an Bildwerke, die nicht als sie selbst betrachtet und bewundert werden wollen, sondern etwas im Menschen bewegen sollen. Der Unterschied ist freilich gewaltig, denn die Gummibären des Jeff Koon bewegen vor allem Geld und Eitelkeit, während die afrikanische Maske und das Tatoo oder die Ikone und das Amulett Geister bewegen. Zeitgenössische Kunst ist sekulär und marktgerecht, während die alte Kunst religiös war. Sie ist auf Künstlernamen (Markenzeichen) bezogen, während die alte Kunst anonym war. Duchamps und Malevich sind keine zeitgenössischen, sondern moderne Künstler. (Bei den Modernen gibt es noch einen starken geistigen Impetus, der bei der Popart nicht mehr zu finden ist)
    Danke mal wieder für deine informativen und anregenden Beiträge!

    Gefällt 2 Personen

    • Ich finde die Antwort zu einfach. Wenn ich mir das Kirchenfenster im Dom zu Köln von Richter anschaue, und weiss, daß dieser Künstler umfassend realistisch ausgebildet seinen langen Weg gegangen ist (hauptsächlich in oder an der Abstraktion entlang), sehe ich nicht den kommerziellen Aspekt, sondern die Neugier nach neuen Antworten auf alte Fragen, nach der Dimension des Zufalls im Werk und anderen ‚Nebensächlichkeiten‘.

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  2. 1, wer die moderne kunst mit manet beginnt, muss sie eingebettet sehen in eine Epoche der zunehmenden Industrialisierung und der Weltkriege. Er muss die Frage nach der Postmoderne beantworten, die die Epoche der Gutenberg-Galaxis beendet und eine neue einführt. Zeitgenössisch zielt auf die Zeit des Autors und meint nicht Kiefer, Baselitz oder Lüpertz.
    2. Eine Entwicklungsskizze, die nichts als den Niedergang einer Definition beschreibt, kann nicht dazu beitragen, Kunst heuite zu bestimmen. Wer die Bunnies von Jeff Koons lächerlich findet, hat sie nicht verstanden.
    3. Religion hat mit Kunst dort zu tun, wo Gott schön ist. Sie hat ihre eigene Ästhetik entwickelt wie alle Ideologien nach ihr.

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