Die Schule von Pistoia und die Pop-Art

Pistoia, eine der toskanischen Provinzhauptstädte, liegt zwischen Florenz, Lucca und Pisa im nördlichen Teil der Toskana und war 2017 die Kulturhauptstadt Italiens. Ein wesentlicher Grund für die Auszeichnung als Kulturhauptstadt ist – neben den vielen historischen Kunstschätzen – die herausragende Bedeutung von Pistoia für die Moderne Kunst in Italien. 

Die Stadt hat eine ganze Reihe namhafter Künstler beheimatet, allen voran Marino Marini, dessen Pferdeskulpturen Weltruhm genießen, und Mario Nigro, der einer der wichtigsten Konkreten Künstler Italiens des vergangenen Jahrhunderts ist.  

1966 führt der italienische Kunstkritiker Cesare Vivaldi den Begriff der „Schule von Pistoia“ ein. Er bezeichnet damit eine Gruppe von  zunächst drei bis vier Künstler, die zwischen 1964 und 1969 in Pistoia tätig waren: Roberto Barni, Umberto Buscioni, Aurelio Amendola und Gianni Ruffi. Später wird meist noch der Name des Architekten Adolfo Natalini der Reihe hinzugefügt. 

Die Künstler der Schule von Pistoia setzen sich zunächst intensiv mit der amerikanischen Pop-Art auseinander und machen die Stadt zum italienischen Zentrum der Kunstrichtung.  

Für einige Jahre bestimmen die Künstler gemeinsam mit den Künstlern der „Scuola di Piazza del Popolo“ in Rom und dem Norditaliener Piero Manzoni die Pop-Art Bewegung in Italien.  

Die Pop-Art Bewegung in Italien beginnt allerdings schon in den fünfziger Jahren mit den beiden Post-Dadaisten und italienischen Avantgardisten Enrico Baj und Mimmo Rotella. Die beiden Künstler werden durch ihre Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Materialen, die sie zu Pop-Art verbinden, bekannt und zum Vorbild für die nachfolgenden Künstler der Pop-Art in Italien.   

Die Schule von Pistoia besteht bis zum Ende der sechziger Jahre, dann gehen die Künstler wieder zunehmend ihre eigenen Wege: Roberto Barni fährt mit endloser Ironie in der künstlerischen Erforschung des Menschen und des Tieres fort. Umberto Buscioni orientiert sich an den Farben und der Zusammensetzung des Renaissancemalers Pontormo, um den Alltag künstlerisch neu zu interpretieren und Gianni Ruffi wählt einen poetischen Pfad, indem er, basierend zu auf Wortspielen und doppelten Bedeutungen, Collagen, Installationen und Skulpturen herstellt. 

Ich werde in den kommenden Tagen einige der Künstler von Pistoia an dieser Stelle einmal vorstellen und somit auch eine wenig Werbung für einen Besuch in der wirklich sehenswerten Stadt machen.

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