Kreise, Quadrate und Dreiecke – Almir Mavignier

Über Almir Mavignier habe ich bereits geschrieben, als ich mich vor einiger Zeit intensiver mit der Konkrete Kunst in Brasilien beschäftigt habe. Wenn man sich mit der Konkrete Kunst in Deutschland seit 1945 auseinandersetzt, landet man wiederum bei dem gebürtigen Brasilianer, der seit vielen Jahren in Deutschland seinen Lebensmittelpunkt hat. Hier – als vorläufiger Abschluss meiner Vorstellung von Konkreten Künstlern in Deutschland – nochmal ein über 30 Jahre alter Artikel über Almir Mavignier aus „Der Zeit“:

„Mavignier, von Geburt Brasilianer, ist einer der prominentesten Schüler der „Hochschule für Gestaltung“ in Ulm, wo es vor allen Dingen zu einer engen Zusammenarbeit mit Josef Albers kam, den Max Bill 1954/55 zu einer Gastdozentur in Ulm veranlassen konnte. Mavignier, der bereits in seinem Heimatland eine künstlerische Ausbildung erfahren hatte, beschäftigte sich intensiv mit der Farbtheorie von Albers und setzte sie individuell in seinen Punktrasterbildern um, mit denen er vor allem in den sechziger Jahren international bekannt wurde. Geprägt von dem Geist des in Ulm vor allem von Bill gepflegten Konstruktivismus in der Nachfolge des Bauhauses, organisierte Mavignier 1961 in Zagreb die mittlerweile legendäre erste Ausstellung „Neue Tendenzen“, von der weitreichende Impulse für eine Kunst auf rationaler gestalterischer Grundlage in der Nachfolge des klassischen Konstruktivismus ausging. …

Punktstruktur, 1968 - Almir Mavignier

Almir Mavignier,
Punktstruktur,
 1968 (c) Fairuse,
www.wikiart.org

Mitte der fünfziger Jahre … entstehen jene charakteristischen Punktrasterbilder, die gleichsam zum Markenzeichen dieses Malers geworden sind. Kaum eine der großen Ausstellungen der sechziger Jahre, wo Mavignier nicht mit diesen Arbeiten verbeten war. Rein technisch gesehen handelt es sich um Farbpunkte, die auf die Leinwand aufgetragen werden, als hätte sie der Maler direkt aus der Tube gedrückt. So entsteht ein plastisch ausgebildeter runder Fleck mit einer sichtbaren Spitze in der Mitte. Tatsächlich verwendet Mavignier eine Art runden Metallstempel unterschiedlichen Durchmessers, mit dem die verschiedenen Farben nach einem Farbsystem in Reihen aufgetragen werden. … Aus der Nähe betrachtet wirken die Farbpunkte wie unverbunden nebeneinandergesetzte Farbflecke, dazu noch sehr „bunt“. Mit zunehmender Entfernung des Betrachters ordnet sich die Fläche zu einem Farbsystem. Man erkennt die Abhängigkeit der Farben voneinander, registriert den inneren Ablauf der Bildkonstruktion, die einzelnen „Punkte“ integrieren sich in die Fläche, grundsätzlich dem Effekt des Pointillismus nicht unähnlich. In vielen Arbeiten der sechziger und siebziger Jahre hat Mavignier zusätzlich noch mit ästhetischen Großzeichen gearbeitet, hat die Flächenstruktur, also die rein formale Anordnung der Farbpunkte, in geometrischen Formen vorgenommen. So sind Kreise, Quadrate, Dreiecke und Rechtecke zu sehen, die wiederum Verdichtungen, Zentren oder Zonen unterschiedlicher Farbintensität zulassen.“

Quelle: H.-P. Riese, „Kreise, Quadrate und Dreiecke“, Die Zeit, 29. November 1985

Hier noch der Link zur Homepage des Künstlers: Almir Mavignier

Siehe auch:
„Die Offenbarung“ – Max Bill und Almir Mavignier

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