Antonie Pevsner – vom Kubismus zum Konstruktivismus

Antoine Pevsner – der ältere Bruder von Naum Gabo – ist ein weiterer Künstler, der den Konstruktivismus richtungsweisend geprägt hat, insbesondere auch im Austausch mit seinem Bruder.

Antoine Pevsner studiert in Kiew und St. Petersburg Kunst und kommt bei Besuchen in Paris in den Jahren 1911 und 1913 in Kontakt mit dem Kubismus, der ihn in seinem Schaffen beeinflusst. So verwendet er später die kubistische Technik der geometrischen Vereinfachung für seine eigenen Werke. 1915 schließlich flieht er zu seinem Bruder nach Norwegen, um nicht während des ersten Weltkrieges in der russischen Armee dienen zu müssen. In Oslo experimentierten die Brüder mit Kunst, die „fähig ist, die Leere zu nutzen und uns von der kompakten Masse zu befreien“. Naum Gabo erschafft in diesen Jahren seine ersten abstrakten Konstruktionen, während Antoine Pevsner weiterhin mit kubistischen Ansätzen und Techniken zur gegenständlichen Malerei arbeitet.

Nach der russischen Revolution kehren die Brüder nach Moskau zurück und Antonie Pevsner lehrt an der Schule der Schönen Künste in Moskau. 1920 veröffentlichen die beiden das „Realistische Manifest“, eine Schrift, die die Kunstwelt nachhaltig zu Diskussionen anregt. Das Manifest ist einerseits eine Abrechnungen mit Althergebrachtem in der Kunst und andererseits eine Kritik an den Kunstrichtungen der damaligen Avantgarde – allen voran an Kubismus und Futurismus

Naum Gabo kommt mehr und mehr zu einen Stil, der dem russischen Konstruktivismus von Wladimir Tatlin ähnlich ist. Im Gegensatz zu Wladimir Tatlin beharrt er allerdings nicht auf der Notwendigkeit einer Funktion in der Kunst und seinen Werken. Trotz der im Manifest aufgestellten Behauptungen, dass Kunst konstruiert und abstrakt sein sollte, behält Antonie Pevsner Elemente der Gegenständlichkeit in seinen Werken.

1923 verlässt Antonie Pevsner Russland und lässt sich in Paris nieder, wo er beginnt, abstrakte Skulpturen in dem konstruktivistischen Stil zu erschaffen, den die Brüder in ihrem Manifest von 1920 skizziert haben. In seinen frühen Skulpturen verwenden beide zunächst Zink, Messing, Kupfer, Zelluloid und Holz, aber in den dreißiger Jahren entwickelt Antonie Pevsner einen einzigartigen Ansatz, der auf parallelen Anordnungen von Bronzedrähten beruht, die zu Platten zusammengelötet werden. Er fügt dann diese Platten zusammen, um komplizierte und gewundene Formen unter Verwendung von geraden und gekrümmten Linien zu erzeugen.

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Antoine Pevsner, „Dritte und vierte Dimension“, Den Haag, Niederlande

Antonie Pevsner wird 1930 französischer Staatsbürger, gründet 1931 – zusammen mit Naum Gabo, Theo van Doesburg, Auguste Herbin und Georges Vantongerloo – die Künstlerbewegung Abstraction-Création und ist auch 1946 Mitbegründer von Réalités Nouvelles, einer in Paris ansässigen Gruppe ausstellender Künstler, die sich der geometrische Abstraktion und Konkreten Kunst verschrieben haben.

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