Lygia Clark – zentrale Künstlerin des Neokonkretismus

In den vergangenen Wochen habe ich immer wieder bedeutende Künstlerinnen der Konkreten Kunst vorgestellt. Waren es bislang europäische Künstlerinnen, so heute über eine Brasilianerin, die in diesem Blog schon öfters Erwähnung fand: Lygia Clark.

„Den Menschen in das Werk einbeziehen, ihn Teil der künstlerischen Arbeit werden zu lassen: Dieser Gedanke war zum Ende der 1960er-Jahre revolutionär. Mit Installationen, die begehbar waren, die man ertasten konnte, die man fühlen konnte, widersetzen sich junge Künstler den klassischen Regeln der Kunstrezeption. In Brasilien waren es die Anhänger des „Neoconcretismo“, die diesen neuen, experimentellen Weg gingen. Lygia Clark war eine der zentralen Figuren der Gruppe, Hélio Oiticica gehörte dazu. … Clark und Oiticica haben ihre künstlerische Laufbahn beide im Feld der Malerei gestartet, sich dann aber bald mit Installationen, die den Betrachter mit in das Werk einbeziehen, beschäftigt.

‚Ich gehöre einer Gruppe an, die versucht, die Partizipation des Publikums zu provozieren‘, beschrieb Lygia Clark ihren damaligen Ansatz einmal. ‚Diese Partizipation verwandelt die Bedeutung der Kunst, wie wir sie bis dato verstanden. Das kommt daher, dass wir den repräsentativen Raum und die passive Kontemplation des Werkes ablehnen; wir lehnen das Kunstwerk als Faktum ab und legen mehr Nachdruck auf den Akt der Verwirklichung des Angebots.‘

Mit ihren Installationen spricht Lygia Clark alle Sinne an. Damit stellt sie sich auch gegen die in der Kunst bis dahin vorherrschende Dominanz des Visuellen, der Farben, der Bilder. Lygia Clarks Kunst kann man immer auch fühlen, riechen, berühren und nicht einfach nur betrachten. Im Laufe ihrer künstlerischen Entwicklung nähert sie sich immer mehr Positionen der Performancekunst oder des Happenings an, auch wenn sie selbst diese Begriffe für ihre Werke nicht verwendet. … Der ästhetische Charakter der Installation dagegen wird unwichtiger. Diese Entwicklung weg von der Produktion von sichtbaren Werken ging Lygia Clark immer weiter. Zuletzt beschäftigte sie sich dabei vor allem mit Formen der experimentellen Therapie, die sich auf die Psychoanalyse bezogen. …

Lygia Clark Art, künstlerisch zu arbeiten, war immer zutiefst demokratisch, war immer darum bemüht, die Rezipienten teilhaben zu lassen. In Brasilien hatte sie es damit nicht immer leicht. Während der Militärdiktatur verließ Clark, genauso wie viele ihrer Freunde und Kollegen, schließlich das Land. Sie ging nach Paris, unterrichtete an der renommierten Sorbonne. 1977 kehrte sie nach Rio de Janeiro zurück. Für jüngere Künstler wurde sie zu einer wichtigen Inspirationsquelle. Bis heute beziehen sich im Land viele auf das Werk von Lygia Clark, die 1988 im Alter von 67 Jahren starb.“

Quelle: Alexander Jürgs, ‚Lygia Clark‘, unter: http://www.schirn.de/magazin/kontext/, aufgerufen am 21.02.2018

Webseite der Künstlerin: Lygia Clark

2 Gedanken zu “Lygia Clark – zentrale Künstlerin des Neokonkretismus

  1. Hat dies auf GERDA KAZAKOU rebloggt und kommentierte:
    Kunst am Sonntag:
    Die brasilianische Künstlerin Lydia Clark hat mich mit ihrem „Tunnel“ tief beeindruckt. Auch die anderen Videos sind sehr sehenswert. „Den Menschen in das Werk einbeziehen, ihn Teil der künstlerischen Arbeit werden lassen“. Gefunden im ausgezeichnet informierenden Blog „arte concreta

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