1945: die Neuformierung von „Konkreten“ Künstlergruppen

Mit dem beginnenden Faschismus in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre und insbesondere dann während der Kriegsjahre, haben sich die meisten Künstlergruppen in Europa aufgelöst. So auch viele Gruppen in Paris, die sich der abstrakten und konkreten Kunstförderung angenommen haben, allen voran wurde 1936 die ‚Abstraction-Création‘ aufgelöst. Einzig in der neutralen Schweiz haben verschiedene Gruppen weiterhin von sich reden gemacht. Viele Anhänger der Zürcher Schule der Konkreten – übrigens keine Künstlergruppe im organisatorischen Sinn – waren dann auch dabei, als Leo Leuppi und Richard Paul Lohse 1937 die Künstlergruppe Allianz gegründet haben.

“Die immer wieder angefochtene Legitimität der konkreten Kunst und ihre umstrittene Stellung in der Gunst des Publikums begünstigten auch nach 1945 den Zusammenschluss von Künstlern in Gruppen und Ausstellungsforen und damit einhergehend die Gründung von eigenen Kunstzeitschriften. Eine jüngere Generation von Künstlern aus verschiedenen europäischen Ländern versammelte sich um die 1945 gegründete Galerie Denise René in Paris und trat neben die Künstler der so genannten zweiten Generation.

Diese — so Marcelle Cahn, Nelly Rudin, Auguste Herbin — stand noch in Verbindung mit jenen Pionieren der konkreten Kunst, die — wie Mondrian, Friedrich Vordemberge- Gildewart und das Ehepaar Arp — Frankreich verlassen hatten. Als Vertreter der ersten Generation war in Paris der aus Italien stammende und mit Hans Arp befreundete Alberto Magnelli präsent, der mit seinen frühen Gemälden von 1915 in die Reihe der Vorreiter der konkreten Kunst gestellt und 1947 als abstrakter Maler gefeiert wurde. Auf die Vertreter einer jüngeren Generation, so auf Fruhtrunk und Dewasne, übte Herbin sicherlich den stärksten Einfluss aus. Nach 1945 fand er zu einer strengen Systematik in der Anordnung von Farben und Formen auf der Fläche und trat mit den Künstlern der zweiten Generation wieder an die Öffentlichkeit.

Salon_des_Réalités_Nouvelles_en_1946

Couverture du 1er Catalogue du Salon des Réalités Nouvelles en 1946, Public Domain

Als neues Forum versammelte der 1946 gegründete »Salon des Réalités Nouvelles« die ehemaligen Mitglieder der von 1931 bis 1936 bestehenden Künstlergruppe ‚Abstraction-Création‘ ebenso wie die versprengten Mitglieder von ‚Cercle et Carré‘. Gemeinsam stellten sie mit der jüngeren Künstlergeneration aus dem Kreis der Galerie Denise René aus, wobei in den unmittelbaren Nachkriegsjahren die Grenzen zwischen abstrakt, konkret und informell/tachistisch zunächst noch relativ fließend waren. So stellten Jean Deswasne und Jean Deyrolle 1946 beispielsweise noch gemeinsam mit dem tachistischen Künstler Hans Härtung aus, der später als Romantiker von den konkret arbeitenden Künstlern abgelehnt wurde. Diese unterschiedlichen Auffassungen ungegenständlicher Kunst präsentierten sich oftmals Nebeneinander in den Ausstellungen des Salons und der ‚Ecole de Paris‘, die mit Gruppenausstellungen auch außerhalb von Frankreich auftrat.“

Quelle: Beate Reese: “Die europaweite Ausbreitung der konkreten Kunst nach 1945“, in: Konkrete Kunst in Europa nach 1945, Hrsg. von Museum im Kulturspeicher Würzburg, Ostfildern-Ruit, 2002, S. 264

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