Kleben im Quadrat II

Insbesondere seit Kasimir Malewitsch mit seinem „Schwarzen Quadrat“ ein neues Kapitel der Kunstgeschichte geschrieben hat, setzen sich jede Menge Künstler immer wieder mit dem Quadrat auseinander. Und die Konkrete Kunst ist eigentlich ohne das Quadrat kaum vorstellbar: Schon am Anfang bei Theo van Doesburg und Piet Mondrian ist das Quadrat eine der Grundformen.

Später malte Josef Albers hunderte von quadratischen Bildern: quadratische Leinwände und darauf quadratische, ineinander geschachtelte Farbfelder. Durch die unterschiedlichen Kombinationen der Farben seiner Farbfelder, ergeben sich mit jedem Bild neue Eindrücke von den Wechselwirkungen der Farben. Dazu aber an anderer Stelle einmal mehr.

Über Camille Graeser und seine fallenden Quadrate habe ich auch schon geschrieben.

Anton Stankowski widmet dem Quadrat in seinen „Bildbänden“ selbstverständlich auch ein Kapitel und führt folgendermaßen in die Auseinandersetzung mit dem Quadrat ein: „Unter den Gestalten, die dem Sinn für das Geometrische entsprechen, nehmen Kreis und Quadrat eine Sonderstellung ein. Die Reinheit des Kreises und die Prägnanz des Quadrates stellen ein Nonplusultra dar.

Viele Vertreter der konkreten Kunst, die der Vorstellung des Absoluten nachgehen, bevorzugen daher das Quadrat. In der Identität seiner Seitenverhältnisse, in seiner Ähnlichkeit mit dem rechtwinkligen Bildformat wirkt es zudem neutral. Selbst seine vierfache Richtungsdynamik zu den Ecken ist gleichmäßig und hebt sich wechselseitig auf.

Das Quadrat und das quadratische Rechteck ist im Konstruktivismus von den Meistern der ersten Stunde eingehend behandelt worden. So haben es die Nachfolgenden schwer, eindrucksvolle Varianten zu diesem Thema zu finden. Doch ein Umgehen des Quadrats hieße, auf ein Ausdrucksmittel zu verzichten, mit dem sich vielartige Bildgehalte transportieren lassen.

Das Schrägelement — der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken — kann an die Stelle des Quadrats treten. Seine Form ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe.“

Quelle: Anton Stankowski: „Bildpläne“, Stuttgart, 1979, S. 97

 

 

2 Gedanken zu “Kleben im Quadrat II

  1. Hallo Lars,
    ich wollte einmal danke sagen, dass du deine Leser in Welten entführst, wo wir selten bis gar nicht darüber nachdenken würden und dass diese Dinge über die Kunst (überraschenderweise) sehr lehrreich und interessant sind.
    LG

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