Kosmos Farbe – Johannes Itten und Paul Klee

„Da haben sich zwei mit nichts anderem als Kunst aus Farbe und Licht befasst.“ –  Zwei Bauhauslehrer: die Malgefährten Johannes Itten und Paul Klee.

Eine Gegenüberstellung der beiden Bauhauslehrer findet 2012/2013 in einer Ausstellung in Bern (Kunstmuseum Bern) und später in Berlin (Martin-Gropius Bau) statt. Eine Einführung zur Ausstellung beschreibt die wechselseitige Beeinflussung der beiden Künstler:

„Am Anfang steht das Naturstudium der beiden, deren Lebenswege sich mehrmals kreuzten. Die Sujets poetisch, die Farben noch dunkel-melancholisch, sie suchen nach Licht, nach Befreiung von allen Schatten. Und doch liegt hier das Fundament für alles Kommende, Aufgelöste, Reflektierte: Beide Maler kamen bei ihren koloristischen Experimenten von der Anschauung, vom Vokabular der Landschaft, der Figur. …

Itten, der aus der Zürcher Schule der Konkreten Kunst kam, Anhänger einer Mischreligion aus zarathustrischen, hinduistischen, christlichen Zutaten, glaubte ebenso wie Klee, den er ans Bauhaus holte, an eine gesetzmäßig strukturierte Ordnung der Farben als in sich geschlossenen Kosmos. Beide entwickelten ihre eigene Farbenlehre: Darin untersuchten sie die Wahrnehmung und das Empfinden von Tönen und Kontrasten. Bei Ittens „Farbtypenlehre“ wirkte der Einfluss seines Stuttgarter Lehrers Adolf Hölzel. Klee hingegen kam auf der Tunisreise 1914 zu der im Tagebuch niedergeschriebenen Erkenntnis: ‚Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: Ich und die Farbe sind eins …‘

johannes itten-farbkreis

Johannes Itten, 1923, Farbkreis

Derartige Euphorie eines doch eher analytischen Künstlers wird von Itten … gar noch gesteigert: „Farbe ist das Leben, denn eine Welt ohne Farben erscheint wie tot.“ Klee wie Itten, schufen sich eine eigenständige Ordnung zwischen der exemplarischen „Kosmologischen grauen Farbkugel“ des Romantikers Philip Otto Runge und den Polen Schwarz und Weiß. Und beide befreiten sich von der Abbildlichkeit. Bei Itten passierte das beinahe totalitär, bei Klee mit spielerischer Distanz, immer auf Grundlage der harmonischen Regenbogenfarben und deren Dynamik.

Paul Klee 1931 Farbkreis

Paul Klee, 1931, Farbkreis

Die jeweilige Ordnung der Farben indes stellte sich her in Etappen, die man Wand für Wand nachvollziehen kann. Den theoretischen Überlegungen folgt bildreich, anhand von kapitalen Werken wie kleinen Studien, die allmähliche bis überwältigende Entdeckung der Farben: Itten malte seine abstrakten Horizontalen-Vertikalen. Klee verwendete die Farben immer freier.

Dann, am Bauhaus, setzte bei beiden eine Rationalisierung des Farbigen ein. Klee fasste die natürlichen Hell-Dunkel-Übergänge in klar gegliederte, oft geometrische, zugleich aber leicht groteske Abstufungen: Streifen, Kästchen, Kreise, Dreiecke, Felder. Vegetativ hingegen gerieten Motive von (Nacht-)Pflanzen, Vögeln, Märchentieren wie verwunschenen Gärten. Farbton-Stufen nannte der Maler im Sinne von Bachs Musik, gar „Fugen“. Auf anderen Bildern deuten Pfeile die Bewegungsrichtung an und seltsame Bauwerke (Pyramiden, Höhlen) weisen auf den spielerischen Umgang mit Architektur.

Bei Itten gewann während der Bauhausjahre das Figürlich-Gegenständliche wieder an Macht. Manche Bilder … werden nun fast ornamental … und er arbeitete mit ostasiatischer Tuschmalerei. Dann aber kehrte er zurück zur reinen Abstraktion. Das Esoterische der Farben, ihre Autonomie und Ordnung behandelte Johannes Itten bis zuletzt als deren missionarischer Prophet und Paul Klee eher als selbstironischer Sarkastiker.“

Quelle: Ingeborg Ruthe: „Esoteriker trifft Analytiker zum Paarlauf“, Frankfurter Rundschau Online, 24.04.2013 unter: http://www.fr.de/kultur/johannes-itten-und-paul-klee-esoteriker-trifft-analytiker-zum-paarlauf-a-712165

Informationen und die Saalbeschreibung zur damaligen Ausstellung in Bern unter: Kosmos Farbe: Itten – Klee

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