Paul Klee: Von Farbfeldern und magische Quadraten

Paul Klee beeinflusst durch sein vielfältiges Werk viele Kunststile und Künstler am Anfang des 20. Jahrhunderts. So selbstverständlich auch die Künstler der konkreten Künstlergruppen, wie De Stijl oder Art Concrete. Zwar lehnt die Stuttgarter Kunstakademie 1919 Paul Klee als Nachfolger von Adolf Hölzel als Akademiedirektor ab, aber ab 1921 lehrt Paul Klee am Bauhaus und 1924 findet die erste Ausstellung seiner Werke in den USA statt. Spätestens dann ist Paul Klee ein höchst angesehener Vorreiter der Kunst seiner Zeit.

Viele seiner Farbfelder und Quadratbilder entstehen in dieser Zeit zwischen 1915 und 1925 – zeitgleich mit den Quadraten von Kasimir Malewitsch oder Piet Mondrian.

„Um die Fähigkeit auf dem Gebiet der Farbe hat Klee lange gerungen. Vorausgegangen ist eine Reihe von Schwarz-Weißaquarellen 1908-1910, deren Grautonalität bereits eine große Virtuosität erkennen lässt. Jetzt fehlt neben der Linie und dem Ton nur noch das dritte Element, die Farbe, zur Meisterschaft als Maler. Regula Suter-Raeber konnte nachweisen, in welchen Etappen sich der Durchbruch zur Farbe und zum abstrakten Bild im Jahr 1914 vollzogen hat. Vor der Reise [Anm.: 1914 unternimmt Paul Klee mit seinen Malerfreunden Louis Moilliet und August Macke eine Reise nach Tunesien) versucht Klee mit Farben ein Werk zu schaffen, das primär formalen Gesetzen gehorcht und keinem Natureindruck folgt. In Tunesien, unter dem Eindruck der Farbintensität und dem völlig anderen Licht des fremden südlichen Landes, geht er einen anderen Weg und bannt das Naturvorbild in übersetzter Form auf die Bildfläche, wobei sich die Beziehung von Vorbild und künstlerischer Umsetzung im Laufe der Reise verändern. … Das etwas später entstandene In der Einöde, 1914, 43 weist mit dem durchgehend flächig-geometrischen Aufbau einen Viel höheren Grad an Abstraktion auf, in der Farbgebung wird die Atmosphäre einer Öden Landschaft assoziiert ohne einen direkten Gegenstandsbezug. Klee hat sein Ziel — die Beherrschung der Farbe — erreicht. …

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Paul Klee, In der Einöd, 1914, 43

Von besonderer Bedeutung wird die Auseinandersetzung mit der Form im Zuge seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus, nicht nur in theoretischer, sondern auch in künstlerischer Hinsicht. So entsteht zwischen 1925—1927 eine Serie von Bildern, in denen Klee mit Parallellinien experimentiert.“ In einer Reihe von Zeichnungen, die in dieser Zeit entstehen, stellt er mythische Landschaften „… ausschließlich mit vertikalen, horizontalen und diagonalen Parallellinien dar, die sich optisch zu Flächen zusammenschließen und verschiedene räumliche Ebenen ausbilden. Sein Interesse an der Phänomenologie findet vor allem in der immer wiederkehrenden Umsetzung des Schachbrettes Ausdruck. Zunächst noch mit gegenständlichem Bezug entstehen ab 1923 reine Quadratbilder, wie die Harmonie blau = orange, 1923, 58 (Kat. 24), die ohne jegliche gegenständliche Anspielung Bewegung, Gegenstand und Atmosphäre nur noch nach den optischen Prinzipien der Form- und Farbenlehre assoziieren.

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Paul Klee, Harmonie Blau Orange, 1923, 56

Diesem Gestaltungsprinzip mit aus dem Bildgrund heraustretenden und zurücksinkenden Quadraten, die Will Grohmann 1954 als magische Quadrate bezeichnen wird, ist Klee bis in seine späten Berner Jahre treu geblieben.“

Quelle: Roland Doschka: „Paul Klee – Jahre der Meisterschaft“, hrsg. von Roland Doschka, Prestel Verlag, München, 2001, S. 12

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