Von loxodromischen Kompositionen und Relationen – Camille Graeser

Der in Stuttgart aufgewachsene Schweizer Camille Graeser taucht schon einige Male in meinem Blog auf – und dies nicht nur wegen der Verbindung nach Stuttgart. Vielmehr fasziniert mich sein künstlerischer Werdegang: vom Schreiner, Möbelbauer, Innenarchitekt des Neuen Wohnens zum abstrakten Expressionisten und künstlerischen Puristen, bis schließlich zum Konstruktivismus und zur Konkreten Kunst.

Seit Mitte der 40er Jahre verwendet Camille Graeser in seinen Werken ausschließlich mathematisch-geometrische Ordnungsprinzipien und wendet sich damit ganz von der Abstrahierung von Gegenständen in seiner Kunst ab. Er beginnt mit dynamisch gemalten Balkenkonstruktionen zu experimentieren, die er „loxodromische Kompositionen“ nennt. Er ist fasziniert von Musik und versucht mit seinen loxodromischen Kompositionen auf der Bildfläche Töne und Rhythmen künstlerisch zu erzeugen. Übrigens: „Loxodrom“ kommt aus der Trigonometrie und bezeichnet eine Kurve auf der Oberfläche einer Kugel.

Mitte der fünfziger Jahre befasst sich Camille Graeser schließlich mit „Relationen“ und „gleichmäßigen Polaritäten“: „Farbige Streifen und Quadrate sind jetzt so aneinandergefügt, dass ‚gleichmäßige Polarität‘ entsteht: gleichen Flächeninhalten entsprechen immer auch gleiche Farbmengen“. Mitte der sechziger Jahre setzt er sich in seinem Spätwerk mit Dislokationen und Translokationen auseinander: „Zu verstehen sind darunter großflächige Kompositionen, auf denen sich ein kleines Quadrat, manchmal auch mehrere Quadrate aus einer Reihe oder einer Fläche lösen und in ein benachbartes Farbfeld ausbrechen und so etwas Schicksalhaftes in die strenge geometrische Formenwelt bringen.“

Quelle: Rudolf Koella: Graeser, Camille Louis (1998, aktualisiert 2010) in: SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz, http://www.sikart.ch/kuenstlerinnen.aspx?id=4000055, Zugriff vom 13.10.2017

Eine Reihe von Werken von Camille Graeser findet sich bei WikiArt: Camille Graeser

Siehe auch:
Camille Graeser – Geometrische Formen, rhythmisch verteilt
Camille Graeser’s „Konkrete Kunst“ – eine Definition

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