
Unter den wichtigen Namen der spanischen Konkreten Kunst nimmt auch Eusebio Sempere eine besondere Stellung ein. Während Ángel Ferrante den Raum erforscht und Pablo Palazuelo die Geometrie als geistige Ordnung versteht, beschäftigt sich Eusebio Sempere mit einem anderen Phänomen: dem Licht. Seine Werke zeigen, wie sich aus einfachen Linien, präziser Geometrie und fein abgestimmten Farben Bilder – und auch Skulpturen – von überraschender Lebendigkeit entwickeln können. Er wird oft anerkennend als der Choreograf der Geometrie bezeichnet.
Eusebio Sempere wird 1923 in der Nähe von Alicante geboren. Nach seiner Ausbildung an der Kunstakademie in Valencia zieht er Ende der vierziger Jahre nach Paris. Dort kommt er, wie so viele andere Künstlerinnen und Künstler, mit den Ideen der geometrischen Abstraktion, der Konkreten Kunst und den Anfängen der kinetischen Kunst in Berührung. Die Jahre in Frankreich prägen sein gesamtes weiteres Schaffen.
Schon früh interessiert sich Eusebio Sempere dabei weniger für gegenständliche Motive als für die Wirkung von Linien und Farben. Seine Arbeiten entstehen häufig aus einfachen, parallel verlaufenden Linien, die sich verdichten, verschieben oder überlagern. Auf den ersten Blick wirken diese Kompositionen streng und systematisch. Beim längeren Betrachten beginnen sie jedoch zu flimmern und sich optisch zu verändern.
Genau hier liegt die Besonderheit seiner Kunst. Eusebio Sempere versteht das Bild nicht als statisches Objekt. Vielmehr entsteht das Werk erst durch die Wahrnehmung der Betrachtenden. Je nach Blickwinkel, Lichtverhältnissen oder Entfernung verändert sich der Eindruck des Bildes. Bewegung entsteht nicht durch reale Mechanik, sondern durch optische Effekte.
Damit gehört Eusebio Sempere zu den wichtigen Vorläufern der Op Art und der kinetischen Kunst in Spanien. Seine Arbeiten zeigen, dass eine geometrische Komposition zugleich rational und sinnlich sein kann. Mathematik und Wahrnehmung verbinden sich zu einer neuen Form ästhetischer Erfahrung. Besonders bekannt werden seine sogenannten Lichtreliefs. Hier kombiniert er geometrische Strukturen mit künstlichem Licht. Die Werke verändern sich kontinuierlich, werfen Schatten und erzeugen wechselnde Raumwirkungen.
Neben der Malerei widmet sich Eusebio Sempere auch der Druckgrafik. Seine Serigrafien und grafischen Mappen zählen heute zu den schönsten Beispielen konstruktiver Kunst in Spanien. Mit minimalen Mitteln erreicht er eine beeindruckende visuelle Tiefe. Oft genügen wenige Linien und Farbnuancen, um komplexe räumliche Wirkungen hervorzurufen.
In den sechziger Jahren kehrt Eusebio Sempere endgültig nach Spanien zurück und wird zu einer zentralen Figur der modernen Kunstszene. Er beteiligt sich an zahlreichen Ausstellungen und engagiert sich für die Vermittlung internationaler Kunstströmungen. Gemeinsam mit anderen Künstlerinnen und Künstler trägt er dazu bei, Spanien stärker mit der europäischen Avantgarde zu vernetzen. Sein Einfluss reicht weit über sein eigenes Werk hinaus. Viele jüngere Künstler übernehmen seine Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Rhythmus und seriellen Strukturen. Zugleich entsteht durch seine Arbeiten eine wichtige Verbindung zwischen der klassischen Konkreten Kunst und neueren Entwicklungen wie Op Art, Kinetik und Computerkunst.
Mehr zum Künstler und seinem Werk: Wer ist der spanische Künstler? Eusebio Sempere? | P55.ART
Eine Reihe seiner Werke zudem in diesem kurzen Videofilm:
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