Nochmals zu Ib Geertsen, den ich vorgestern hier kurz vorgestellt haben. Innerhalb der konkreten Kunst in Dänemark nimmt er eine besondere Position ein. Seine Arbeiten wirken irgendwie stiller als die dynamischen Kompositionen von Richard Mortensen oder die raumgreifenden Skulpturen von Robert Jacobsen. Ib Geertsen sucht nicht die Bewegung oder das expressive Spannungsverhältnis. Er konzentriert sich auf Reduktion, Rhythmus und Balance.
Ib Geertsen beginnt zunächst als figurativer Maler, doch in den vierziger Jahren verändert sich seine Arbeit grundlegend. Wie viele Künstler seiner Generation sucht er nach einer neuen Bildsprache für die Nachkriegszeit. Dabei interessiert ihn weniger die expressive Geste als die Möglichkeit, mit einfachen Formen eine klare visuelle Ordnung zu schaffen.
Kreise, Linien, Rechtecke und Farbflächen werden zu den zentralen Elementen seiner Malerei. Doch anders als in streng geometrischen Traditionen wirken seine Bilder selten mechanisch. Die Formen schweben, verschieben sich leicht gegeneinander und erzeugen eine ruhige Spannung. Nichts erscheint dekorativ oder zufällig.
Besonders charakteristisch ist sein Umgang mit Farbe. Geertsen verwendet oft wenige Töne: Weiß, Schwarz, Rot oder gedämpfte Primärfarben. Dadurch entsteht eine konzentrierte Bildwirkung. Farbe dient nicht dazu, Emotionen auszudrücken, sondern Beziehungen zwischen Formen sichtbar zu machen.
Viele seiner Werke wirken fast musikalisch. Wiederholungen, Pausen und kleine Verschiebungen erzeugen einen Rhythmus, der sich langsam entfaltet. Der Blick wandert über die Fläche und entdeckt dabei immer neue Gleichgewichte. Gerade in ihrer Einfachheit entwickeln die Bilder eine große Präzision.

Ib Geertsen arbeitet nicht nur als Maler. Er interessiert sich auch für Design, Architektur und textile Gestaltung. Damit steht er exemplarisch für eine typisch dänische Verbindung von Kunst und Alltag. Konkrete Kunst bleibt hier nicht auf Museen beschränkt, sondern tritt in Dialog mit Möbeln, Räumen und Gebrauchsobjekten. Diese Nähe zur Gestaltungskultur unterscheidet die dänische – und auch insgesamt die skandinavische – konkrete Kunst von vielen anderen europäischen Strömungen. Während Konkrtete Kunst in manchen Ländern bewusst elitär oder theoretisch auftritt, bleibt sie in Dänemark oft mit Funktionalität und Materialbewusstsein verbunden. Ib Geertsen verkörpert diese Haltung besonders deutlich.
Auch seine Werke im öffentlichen Raum zeigen das. Wandgestaltungen, textile Arbeiten oder dekorative Flächen integrieren sich selbstverständlich in Architektur. Die Kunst dominiert den Raum nicht, sondern strukturiert ihn. Gerade dadurch entsteht eine ruhige, fast meditative Wirkung. Vielleicht liegt genau darin die Stärke seiner Kunst. Ib Geertsen reduziert Formen und Farben so weit, bis nur noch das Wesentliche bleibt. Diese Reduktion wirkt jedoch nie kalt oder leer. Sie schafft Konzentration. Der Blick wird langsamer, genauer und bewusster.
Einige mehr Informationen und Bilder seine Werke: Ib Geertsen | Explore Iconic Danish Art
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