Ellsworth Kelly – Farbfelder als Objekte

Vorgestern habe ich den US-Amerikaner Ellsworth Kelly vorgestellt, einer der wichtigsten Künstler der sogenannten Hard Edge Bewegung. Anlässlich seines Todes im Jahre 2015 wurde folgender Artikel über sein Lebenswerk im Deutschlandfunk veröffentlicht:

„Er war einer der großen Bilderfinder des vergangenen Jahrhunderts. Und obwohl er zeitlebens nicht nur auf das Signieren seiner Werke verzichtete, sondern zudem auch bemüht war, nur ja keine Spuren im Sinne einer künstlerischen Handschrift zu hinterlassen, Leinwand, sind seine Werke gerade wegen ihrer betonten Anonymität so unverwechselbar geworden.

Man erkennt seine Bilder an ihrer Form. Und sie ist zugleich auch schon ihr ganzer Inhalt. Seine Bilder illustrieren nichts, interpretieren nichts oder bilden nichts ab, sondern sind ausschließlich mit sich selbst identisch. Folgerichtig sprach der Künstler denn auch nie von seinen Bildern, sondern nannte sie schlicht das was sie waren, nämlich Objekte. In ihrer formalen Gestalt, ob nun der zum Dreieck, Parallelogramm, Quadrat oder immer wieder zum Segmentbogen geformten Leinwand, in den sogenannten shaped canvases, liegt bereits das ganze ästhetische Ereignis.

Colors for a Large Wall, 1951 - Ellsworth Kelly
Ellsworth Kelly, Colors of a arge wall, 1951
Quelle: WikiArt, (c) FairUse

Oder doch besser: eigentlich nur das halbe. Denn ihren sinnlichen Reiz gewinnen diese einzelnen Formen jeweils durch ihren signalhaft klaren Farbauftrag, egal, für welchen einheitlichen Flächenton er sich jeweils entschied, sei es nun ein Rot, ein Blau, ein Gelb, ein Grün oder ein Schwarz, oft auch miteinander kontrastierend.

Bei dem Farbauftrag vermied der Künstler ganz bewusst jedwede malerische Wirkung. Er betätigte sich vielmehr als reiner Anstreicher von scharf konturierten Flächen, die wiederum durch nichts als sich selbst begrenzt werden. Diese analytische Klarheit und radikale Stringenz, die er schon in den frühen 50er-Jahren in seinem „Handbuch für Linie, Form und Farbe“ dargelegt hatte, unterscheidet ihn denn auch vom sogenannten colourfield-painting, der amerikanischen Farbfeldmalerei. …

Kelly verstand seine Bildobjekte und Skulpturen stets als abstrakte Zeichen ohne festgelegte Bedeutung. Vielleicht beruhte sein großer Erfolg in eben dieser Offenheit und zugleich Offenlegung des Kunstmachens, das er immer als eine Frage der Ehrlichkeit ansah.“

Quelle: Christiane Vielhaber, ‚Farbfelder als Objekte‘, Deutschlandfunk-Online, 28.12.2015, online unter: https://www.deutschlandfunk.de/zum-tod-von-ellsworth-kelly , aufgerufen am 05.01.2020

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