León Ferrari und der gekreuzigte Jesus am Flugzeug

León Ferrari ist wohl einer der bekanntesten, sicher aber einer der provokativsten Konzeptkünstler Südamerikas. Der in Buenos Aires geborene Sohn einer italienischen Einwandererfamilie – der Vater ein recht bekannter Maler -, wird mit Arbeiten, die sich mit Politik, Religion und Gesellschaft auseinandersetzen, bekannt. Er verbindet dabei Elemente der Malerei, der Collage, der Kopierkunst und der Skulptur. Meist beinhalten seine Werke aktuelle Zeitungsausschnitte oder Gedichte, die die Themen seiner Werk zum Inhalt haben.

Sein bekanntestes Kunstwerk „La civilización occidental y cristiana“ (Die abendländische, christliche Zivilisation) zeigt eine Holzfigur des gekreuzigten Christus, wobei ein US-amerikanisches Bombenflugzeug das Kreuz bildet. Das Werk entsteht 1965 im Zusammenhang mit dem Protest gegen den Vietnamkrieg und wird zu einer Ikone der politischen Konzeptkunst.

León Ferrari, La civilización occidental y cristiana (Die abendländische, christliche Zivilisation), 1965, Fulvio Spada from Torino, Italy, Leon Ferrari, 52nd International Art Exhibition, Venice (542100611)CC BY-SA 2.0

Als junger Mann studiert León Ferrari Elektrotechnik an der Universität von Buenos Aires und arbeitet dann zunächst als Ingenieur. Nach dem zweiten Weltkrieg beginnt er – mit 26 Jahren – Kunst zu schaffen. Nach seiner Heirat und der Geburt dreier Kinde, zieht er 1952 nach Italien und beginnt dort mit Ton und Keramik zu arbeiten. Auch – Mitte der fünfziger Jahre – zurück in Buenos Aires vertieft León Ferrari seine Auseinandersetzung mit Skulpturen und erschafft Werke aus den unterschiedlichsten Materialen, wie Holz, Gips, Zement und Draht. Anfang der sechziger Jahre schließlich verwendet León Ferrari in vielen seiner Werke gedruckte und handgeschriebene Wörter, experimentiert mit Kunststoffen und kommt zu den – oft dreidimensionalen – Collagen, die er für den Rest seiner Karriere verwenden sollte.

Die Drohungen der damaligen argentinischen Diktatur Mitte der siebziger Jahre drängen León Ferrari ins Exil: 1976 flieht er mit seiner Familie nach Sao Paulo, Brasilien. Doch kurz nach seiner Abreise wird Ferraris Sohn Ariel, der sich entschieden hatte, in Argentinien zu bleiben, von der Diktatur entführt. Der letzte Brief, den die Familie Ferrari von ihrem Sohn erhält, kommt im Februar 1977. 1978 erhalten sie die Nachricht, dass er tot aufgefunden worden ist – über die Hintergründe wird nie etwas bekannt. Während seiner Zeit im Exil erforscht León Ferrari neue Kunstformen, darunter Mail-Art, Fotokopien, Lithografie, und er schreibt sogar einige Bücher. Erst 1991 kehrt er nach Argentinien zurück, wird national und zunehmend international ein gefeierter Konzeptkünstler und arbeitet bis zu seinem Lebensende an seiner kritischen Konzeptkunst. Er stirbt 2013 im Alter von 92 Jahren.

Weitere Werke von León Ferrari finden sich bei WikiArt und auf der spanischsprachigen Webseite des Argentiniers: León Ferrari

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