Phyllida Barlow erhält den Kurt-Schwitters-Preis 2022

Die britische Künstlerin Phyllida Barlow wird mit dem Kurt-Schwitters-Preis 2022 der Niedersächsischen Sparkassen-stiftung ausgezeichnet.

Phyllida Barlow wird 1944 in Newcastle upon Tyne geboren und lebt in London. Nach Abschluss ihres Studiums in London hat sie als Dozentin an verschiedenen Kunstschulen und bis 2009 als Professorin an der Slade School of Fine Art unterrichtet. International bekannt wird die mit raumgreifenden, oftmals provisorisch wirkenden skulpturalen Werken, die sie u. a. im Britischen Pavillon auf der Biennale von Venedig (2017) oder im Haus der Kunst in München präsentiert hat. Dabei arbeitet sie zumeist mit einfachen, leicht verfügbaren Materialien wie Bauholz, farbigen Baumwollstoffen, Klebeband, Gips oder Zement, die sie lose arrangiert oder gebündelt anhäuft und so zusammenfügt, dass der performative Charakter ihres skulpturalen Schaffens sichtbar bleibt. Mit ihren fragilen, zum Teil unvollendet erscheinenden Skulpturen stellt Barlow traditionelle bildhauerische Konzepte von Monumentalität oder Perfektion in Frage und lässt die Grenzen zwischen Skulptur, Malerei und Architektur verschwimmen. Phyllida Barlow gilt als herausragende Vertreterin einer künstlerischen Praxis, die sich nicht selten spielerisch und humorvoll mit materiellen Eigenschaften und Grenzbereichen der skulpturalen Form auseinandersetzt.

Phyllida Barlows, Untitled: Ramp/Drums, 2010, Quelle: WikiArt, (c) FairUse

„Als Studentin in den 1960er Jahren wurde Phyllida Barlows frühe Ablehnung von Kunstschulnormen grundlegend von einer Reihe internationaler Künstlerinnen und Künstler geprägt, deren Arbeiten die eher konventionellen Praktiken der zeitgenössischen britischen Bildhauerei in Frage stellen. In ihren eigenen Arbeiten aus der Studienzeit zeigt sich ein progressives Verständnis und eine Reaktion auf verschiedene moderne Bildhauerinnen und Bildhauer – von Miro bis Giacometti und Bourgeois. Unter all diesen frühen „Mentoren“ scheint der Einfluss von Kurt Schwitters sowohl grundlegend als auch nachhaltig gewesen zu sein. Kurt Schwitters‘ eigene Arbeiten – die kleinen, skurrilen Skulpturen, die er in Großbritannien schuf, die Verschmelzung von Malerei und Skulptur in seinen Collagen, der außergewöhnliche Merz Barn, den er in Eldewater errichtete, sowie seine dadaistische Klangkunst. All das findet eine starke Resonanz bei einer Künstlerin, die sich zum Absurden hingezogen fühlte und die aus ihrer Sicht überholte Grenzen zwischen Malerei und Skulptur in Frage stellt. Am deutlichsten ist der Einfluss von Schwitters in den großflächigen, raumgreifenden Installationen zu erkennen, die Barlow über viele Jahre hinweg aus ausrangierten, ungenutzten und alltäglichen Materialien geschaffen hat. Sie vermitteln ein Gefühl für die gescheiterte Utopie der Moderne und eine Faszination für die zeitgenössische urbane Umgebung.“

Quelle dieser Würdigung der Künstlerin durch die Jury und alle weiteren Informationen zum Kurt-Schwitters-Preis: Pyllida Barlow

Noch einiges mehr zur Künstlerin in einer Einführung in die – oben bereits erwähnte – Retrospektive im Haus der Kunst in München in diesem Frühjahr: Phyllida Barlow

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