Tess Jaray – Alles ist Raum und Illusion

„Alles ist Raum und Illusion. Davon handelt Malerei“, sagt die in Wien geborene Tess Jaray anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung in ihrer Heimatstadt im Februar diesen Jahres in der Wiener Secession. Ich habe diese Ausstellung hier vorgestellt (Tess Jaray in Wien).

Tess Jaray wird in Wien geboren, übersiedelt aber nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1937 mit ihren Eltern nach England und wächst dort auf dem Land auf. Bereist mit 16 Jahren beginnt sie Kunst zu studieren und übersiedelt nach London. Während ihres Studium setzt Jess Taray sich insbesondere mit dem amerikanischen, abstrakten Expressionismus auseinander und beginnt dann, Anfang der sechziger Jahre, ihre formal reduzierte Malerei, mit der sie Beziehungen zwischen Malerei und Architektur einerseits und zwischen Bild und Betrachter andererseits untersucht. Sie macht sich daran, dass Ausmaß und die Qualität der Wirkungen von Geometrie, Muster, Formen, Wiederholung und Farbe auf den Raum in ihren Werken zu analysieren.

Die Wirkungen der architektonischen Räume der Renaissance, denen Tess Jaray auf ihren Reisen in Italien begegnet, sind unter anderem ausschlaggebend für die Entwicklung ihrer unverwechselbaren Technik. In den Decken der Räume – in Kirchen, Kreuzgängen, Palästen und Villen – erforscht sie, wie einfache Linien interagieren, um den Raum zu beeinflussen und emotionale Reaktionen hervorzurufen. Die britische Kunstkritikerin Jasia Reichardt schreibt über Tess Jaray’s Gemälde der sechziger Jahre, dass sie als „Deckengeographie“ bezeichnet werden können, weil sie Ansichten eines von unten gesehenen Innenraums suggerieren.

Tess Jaray, Minuet, 1966
Quelle: WikiArt, (c) Tess Jaray, FairUse

Ende der sechziger Jahre beginnt Tess Jaray zu unterrichten. 1968 wird sie die erste KunstlehrerIN an der berühmten Slade School of Fine Arts, eine der wohl renommiertesten, englischen Kunstschulen. In den achtziger und neunziger Jahren entstehen viele großformatige Bilder mit weiterhin geometrischen Formen, einfachen Mustern, harmonisch aufeinander abgestimmten Farbfeldern oder starken Farbkontrasten. Sie zielen – in Sinne der Op-Art – auf visuelle Effekte wie räumliche Illusionen oder optisches Flimmern ab und fordern vom Betrachter eine konzentrierte Auseinandersetzung ein.

Jede Menge weitere Informationen und Werksbeispiele auf der Webseite der Künstlerin: Tess Jaray

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