Charlotte Posenenske – der heimliche Star des deutschen Minimalismus

Noch einmal zu Charlotte Posenenske, die ich vorgestern als eine der Künstlerinnen, die derzeit in der Ausstellung Konkreter Künstlerinnen im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen ist, vorgestellt habe. Die 1930 in Wiesbaden geborene Künstlerin wird eigentlich eher mit dem Minimalismus als mit der Konkreter Kunst in Verbindung gebracht und gilt vielen gar als der heimlicher Star des deutschen Minimalismus. Insbesondere auch, weil Charlotte Posenenske die unterschiedlichsten Materialen für ihre Werke einsetzt – Metalle und Schachteln ebenso wie Pinsel und Spritzpistolen.

Pressebild Posenenske
Charlotte Posenenske
Vierkantrohre Serie D, 1967/2021
Feuerverzinktes Stahlblech, Maße variabel
Kunstmuseum Stuttgart
© Nachlass Charlotte Posenenske und Mehdi Chouakri, Berlin

Die folgende Würdigung der Künstlerin habe ich auf den Webseiten des Deutschlandfunks Kultur gefunden. Hier ein Auszug der lesenswerten Würdigung: „Posenenske ist eine jener Künstlerinnen, die jahrzehntelang durch das Raster des Kunstmarktes gefallen sind. Erst 2007 holte die documenta ihre minimalistischen Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen wieder aus der Versenkung. Seitdem wird die Künstlerin als heimlicher Star des deutschen Minimalismus gefeiert.

Das liegt auch daran, dass sie der Strenge der amerikanischen Minimal Art etwas Spielerisches und Ironisches hinzufügte. Besonders schön zeigt das eine Installation in der großen Ausstellungshalle von K20. „Bitte benutzen“ steht auf einem Schild. Der Besucher wird aufgefordert, durch eine unscheinbare graue Metalltür zu gehen, die mitten im Raum steht…

Erfahrbarkeit ist ein wichtiger Schlüssel zu der Kunst von Charlotte Posenenske. Mithilfe ihrer Flügeltür-Skulpturen wollte sie die Menschen dazu bringen, miteinander ins Gespräch zu kommen, aber auch den Raum neu und anders wahrzunehmen. Posenenske entwickelte in den 1960er-Jahren serielle Skulpturen, die auf Bewegung, Veränderung und Teilhabe abzielten.

Dabei legte sie großen Wert darauf, sich selbst als Künstlerin weitgehend herauszuhalten. Ihre großformatigen Skulpturen, die wie Lüftungsrohre oder Kaminschächte aussehen, konnten von den Benutzern immer wieder neu zusammengesetzt werden. Die Künstlerin lieferte ähnlich einem Baukastensystem nur die Module, die Fertigteile. „Schluss mit der Ichigkeit“ nannte Posenenske dieses Prinzip ihrer Kunst.“

Quelle: Sabine Oelze, „Charlotte Posenenske: „Work in Progress“ – Späte Weihe für eine radikale Künstlerin“, Deutschlandfunk Kultur online vom 03.06.2020, online unter: Charlotte Posenenske; aufgerufen am 04.08.2021

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