Clara Friedrich-Jezler und die Darstellung von Räumlichkeit mit malerischen Mitteln

Einen wesentlichen Beitrag zur Konkreten Kunst sind die Bildplastiken der Schweizer Künstlerin Clara Friedrich-Jezler, die in den dreißiger Jahren entstanden sind. Bei diesen Bildplastiken legt sie farbig bemalte, meist aus Holz geschnittene, geometrische Formen übereinander. Damit will sie Räumlichkeit mit Hilfe von – quasi malerischen – Mitteln darstellen.

Ihre Ausbildung erhält Clara Friedrich-Jezler übrigens hauptsächlich in Stuttgart: in den zwanziger Jahren hört sie Vorlesungen bei Hans Hildebrandt, Professor für Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule und nimmt Unterricht bei Adolf Hölzel.
Mit ihren zunächst abstrakten Kompositionen und dann eben den Bildplastiken, gehört Clara Friedrich-Jezler zu den ersten modernen Künstlerinnen der Schweiz. Als Gründungsmitglied der Künstlergruppe Allianz stellte sie ihre Arbeiten in zahlreichen wichtigen Ausstellungen aus. Ende der 1920er-Jahre beginnt sie mit ihrem Ehemann, dem Bankier Emil Friedrich, eine der bedeutendsten Sammlungen von Kunst der Moderne aufzubauen; 1973 wird diese Sammlung dem Kunstmuseum Winterthur vermacht.

Clara Friedrich-Jezler
Ohne Titel, 1948
Öl auf Glas, Hartfaserplatte und Holz, 69 x 51 x 6 cm
Kunst Museum Winterthur, Legat Dr. Emil und Clara Friedrich-Jezler, 1973
© SIK-ISEA, Zürich (Jean-Pierre Kuhn)

Hier ein Auszug zur Rezeption der Künstlerin aus dem Katalog zur aktuellen Ausstellung Konkreter Künstlerinnen im Kunstmuseum Stuttgart:

„Clara Friedrich-Jezler gehörte zur Avantgarde in Zürich. Sie nahm an der Ausstellung Zeitprobleme in der Schweizer Malerei und Plastik im Kunsthaus Zürich 1936 teil, wo sie neben Sophie Taeuber-Arp und Verena Loewensberg die dritte Künstlerin im Bunde war. … In der epochalen Ausstellung Neue Kunst in der Schweiz in der Kunsthalle Basel 1938 fanden sich drei Arbeiten von ihr. …

Nach 1947 hat Friedrich-Jezler nicht mehr ausgestellt. Ein Grund liegt wohl in den Anfeindungen, denen ihr Mann und sie nach 1946 ausgesetzt waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde publik, dass Emil Friedrich sich mit weiteren einflussreichen Bürgern in der Eingabe der 200« für eine stärkere Anpassung der Schweiz an das nationalsozialistische Deutschland
ausgesprochen hatte. In der Folge wurde Friedrich ungeachtet seiner Verdienste für die Kunst gesellschaftlich isoliert. Dieser Bann traf auch die Künstlerin: Max Bill, der im gleichen Raum wie sie und Sophie Taueber-Arp bei der Ausstellung Zeitprobleme in der Schweizer Malerei und Plastik untergebracht war, schwärzte später Friedrich-Jezlers Bilder auf den Fotos, um seine eigene Reputation nicht zu beschädigen.“

Quelle: Froitzheim, E.-M., „Clara Friedrich-Jezler“, in: Konkrete Künstlerinnen, Kunstmuseum Stuttgart, Wienand Verlag, Köln, 2021

Einige Werke der Künstlerin und eine Biographie bei SIKART: Clara Friedrich-Jezler

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