Frederic Edwin Church auf den Spuren von Alexander Humboldt

Frederic Edwin Church ist vielleicht der bekannteste Vertreter der sogenannten Hudson River School, einer Künstlergruppe, die für präzise gemalte, oft dramatische und allegorische Bilder nordamerikanischer Landschaften bekannt wird und damit das Fundament für den Amerikanischen Realismus wird. Die Gruppe wird von Thomas Cole Ende der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts gegründet. Thomas Cole ist später Lehrer von Frederic Church und anderen Mitgliedern der Gruppe. Allen gemeinsam ist der Wunsch, den Werken eine Bedeutung zu geben, die über die reine Abbildung der Natur hinausgeht.

Frederic Church studiert von 1844 bis 1846 bei Thomas Cole in dessen Studio in Catskill und begleitete ihn beim Skizzieren in die Catskill Mountains im Norden des Bundesstaates New York und in die Berkshire Mountains von Massachusetts. Nach seiner Lehrzeit bei Thomas Cole gründet Frederic Church dann ein eigenes Studio in New York City und erlangt schnell einen Ruf als Maler von expansiven Ansichten von New York und New England. Die gemalten Ansichten sind die Skizzen verschiedener Orte, die zu lebendigen Kompositionen zusammengefaßt werden.

In den späten 1840er Jahren ist Frederic Church fasziniert von den Reiseerzählungen des Naturforschers und Entdeckers Alexander von Humboldt. Dessen Abhandlungen und Reiseberichte, die auf seiner fünfjährigen Expedition (1799–1804) in der Neuen Welt basieren, liest Frederic Church mit Begeisterung und der Aufruf Alexander Humboldts, Künstler mögen nach Südamerika reisen und die Landschaften malen, um sie den Menschen des Nordens bekannt zu machen, findet bei Frederic Church Gehör. Er entscheidet sich nach Südamerika aufzubrechen und besucht in einer ersten Reise Kolumbien, in einer zweiten Reise dann Ecuador.

Frederic Edwin Church – 206 seiner Werke zu einem Film zusammengestellt.

Mit den großen und detaillierten Gemälden, die Frederic Church auf der Grundlage der Skizzen dieser beiden Reisen anfertigt, sichert er sich seinen dauerhaften Ruf und wird mit Albert Bierstadt der bekannteste und erfolgreichste Maler seiner Generation. Seine Gemälde tropischer und später – ebenfalls durch die Berichte Alexander Humbolds inspirierten – arktischer Motive sind in der Regel mindestens drei Meter breit und werden zu besonderen Ereignisse in privaten Galerien gezeigt. Obwohl Frederic Church selten den Geschmack seines Lehrers Thomas Cole für explizite moralische und religiöse Allegorien in der Landschaftskunst teilt, offenbart er häufig sowohl seinen Patriotismus als auch seine Frömmigkeit, indem er Pilgerkreuze, strahlende Sonnenuntergänge, Auroren und Regenbögen beispielsweise in seine südamerikanischen Landschaften einbaut.

1865 sterben beide Kinder des Künstlers im Abstand von nur einer Woche an der Diphtherie und um ihren Kummer zu lindern, zieht er mit seiner Frau für mehrere Monate nach Jamaika. Dort entstehen eine Vielzahl von Skizzen und Werke von tropischer Botanik, die es ihm so angetan hat. 1867 pilgert er und seine Frau mit dem ersten Kind ihrer wiederbelebten Familie in die Alte Welt, hauptsächlich ins Heilige Land. Dort verfolgen sie die Stationen des Lebens Jesu durch Palästina anhand der Beschreibungen in den Evangelien. Allein besuchte der Künstler dann auch noch die Felsenstadt Petra in Jordanien und segelt später, nachdem die Familie im Winter 1869 Rom erreicht hat, über die Adria nach Athen, um den Parthenon zu bewundern und zu skizzieren.

Der wohl am meisten gereiste Künstler seiner Zeit und Alexander Humbold Fan stirbt im Jahre 1900. Ähnlich wie Albert Bierstadt ist der Künstler dann schon fast vergessen. Das öffentliche Interesse hat sich von der Hudson River School abgewendet und kommt erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder breit auf.

Mehr Informationen und jede Menge seiner Werke auf einer für den Künstler eingerichteten Webseite: Frederic Edwin Church. Wer noch tiefer einsteigen möchte: hier ein Link zu einer englischsprachigen Vorlesung der Yale Universität über das Leben und das Wirken des Künstlers: Frederic Church

2 Gedanken zu “Frederic Edwin Church auf den Spuren von Alexander Humboldt

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