Yves Klein und die Entmaterialisierung der Kunst

Yves Klein ist wohl der bekannteste Vertreter der sogenannten ‚monochromen Malerei‘. Der Begriff bezieht sich zunächst einmal auf eine einfarbige Malerei. Dabei kann es sich um eine mit nur einer Farbe bemalte Leinwand handeln oder aber auch um eine flächenhafte Ausdehnung von eben nur einer Farbe. Zur monochromen Malerei wird gängiger weise auch der Einsatz von Farbnuancen von ein und derselben Farbe hinzugerechnet.

Mit 18 Jahren erschafft Yves Klein 1946 sein bekanntestes „Gemälde“ – sein ‚erstes unendliches und immaterielles Gemälde am Strand von Nizza liegend, indem er den blauen mediterranen Himmel signierte und zu seinem ersten und größten ‚Monochrom‘ erklärte.‘

Yves Klein, IKB 191 – International Klein Blue, (c) gemeinfrei

„Während Vasarely die Bedingungen visueller Irritationen und Bewegungseindrücke erforschte, erzielte Yves Klein ebenfalls in Paris einen Aufbruch des bisherigen Kunstbegriff der alles Bisherige auszuradieren schien — seine Kunst präsentierte ihre Selbstreflexion als Performance und löste sich vollständig vom Objekt. 1958 perfektionierte Yves Klein die Entmaterialisierung der Kunst in der Galerie Iris Clert, als er mit der Ausstellung „Le Vide“ die Leere der Galerieräume als Werk präsentierte – indem er das Nichts zur Kunst erklärte, zeigte er vollends immaterielle Konzeptkunst und den Raum als Bedingung jedweden Kunstwerks. In seinen Anthropometrien hingegen betonte er die Körperlichkeit und den Bezug zu einer bildexternen Wirklichkeit, die als unmittelbare Bedingung der Kunst eng mit ihr verknüpft ist: Durch flächigen Körperkontakt brachten Aktmodelle blaue Farbe auf Leinwände – das Medium des Farbauftrags bestimmt durch seine Formen und Bewegungen das Bild. Das Modell schreibt seine Körperlichkeit in das Werk ein, es wird nicht in seiner äußere Erscheinung kopiert, sondern hinterlässt in direktem Kontakt zur Leinwand eine Spur, die unmittelbarere Bildrealität nicht sein könnte. Sicherlich ist der Nouveau Réaliste Yves Klein bedingt als Konkreter im ursprünglichen Sinne einzuordnen doch teilt er mit zeitgenössischen Vertretern der Konkreten Kunst das Interesse an neuen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten und Materialien. Insbesondere in den berühmten Monochromien, die, häufig unter Verwendung des von ihm entwickelten International Klein Blue, in großer Anzahl entstanden zeigte er die jahrzehnttypische Faszination an Wahrnehmungsphänomenen, die beispielsweise einer blauen Fläche unfassbare Tiefe verleihen – wenn die Kunst den richtigen Ton trifft.“

Quelle: Ines Zahler: „Konkrete Kunst der 50er Jahre – Dekade des Aufbruchs“, in: Die Idee Konkret, hrsg. von Tobias Hoffmann, Museum für konkrete Kunst Ingolstadt, Wienand Verlag, Köln, S. 58.

Noch viel mehr zu diesem spannenden Künstler auf der für ihn eingerichteten Webseite: Yves Klein

2 Gedanken zu “Yves Klein und die Entmaterialisierung der Kunst

  1. Seitdem ich zum erstenmal vor vielen Jahren real vor einem blauen Bild gestanden habe, bin ich dem Sog dieses Blaus ausgeliefert, es ist fast unmöglich, sich dem zu entziehen.
    „die beispielsweise einer blauen Fläche unfassbare Tiefe verleihen – wenn die Kunst den richtigen Ton trifft“ – genau das ist es!
    Lieber Morgengruß zu Dir, Karin.

    Gefällt 2 Personen

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