Günther Uecker und seine Objektbenagelungen

1961 wird Günther Uecker Mitglied in der von Heinz Mack und Otto Piene gegründeten Künstlergruppe ZERO. Fortan beschäftigt er sich mit Lichtmedien, widmet sich optischen Phänomenen und Möglichkeiten, den Betrachter aktiv in die Rezeption seiner Kunst miteinzubeziehen. Zusammen mit Heinz Mack und Otto Piene richtet er in mehreren Museen sogenannte ‚Lichtsalons‘ ein.

Günther Uecker, White Field, 1964, Tate Modern, (c) gemeinfrei

Weithin bekannt wird Günther Uecker dann aber durch seien Nagelbilder. In den sechziger Jahren beginnt er sogenannte Objektbenagelungen durchzuführen. (Ja, das Wort „Objektbenagelungen“ gibt es tatsächlich! 😉 ). Er übernagelt was er gerade findet: Möbel, Gebrauchsgegenstände oder Holzplatten, die er dann als Druckstöcke für Prägedrucke einsetzt. Es entstehen zunächst „… in Holz geschlagene oder auf eine Leinwand geprägte geometrische Felder aus Eisennägeln. Je nach dem Einfallswinkel des Lichts entstehen unterschiedliche Schattenwirkungen, es ergeben sich dynamische Lichtformen, organisch wirbelnd. Zunehmend integriert er auch Alltagsgegenstände in sein Werk, schlägt Nägel in Möbel, Kommoden und Fernseher. 1964 treibt er unzählige Nägel in ein Klavier und grundiert Teile des Instruments mit weißer Farbe. Im selben Jahr nimmt er mit den anderen ZERO-Künstlern an der documenta III teil.

Zu Beginn der 1970er-Jahre wendet sich Uecker auch vermehrt Environments zu. Einmal färbt er eine ganze Straße in der Düsseldorfer Altstadt weiß, um die Schritte der Passanten in alle Richtungen nachvollziehbar zu machen. Er stellt international aus und wird mehrfach ausgezeichnet. 1970 ist er der deutsche Vertreter auf der Biennale von Venedig und 1977 entsteht ein Wandrelief für ein UNO-Gebäude in Genf. An seiner Akademie in Düsseldorf ist er ab Mitte der 1970er-Jahre Professor. Sein Werk ist durch Materialminimalismus gekennzeichnet, er entwirft Sound-Objekte und kinetische Sandskulpturen, die immer gleiche Kreise in ein Rund ziehen. Seine Haltung ist auch eine politische, er sieht sich als pazifistischer Künstler. In Reaktion auf das atomare Unglück von Tschernobyl schafft er Aschebilder, Negativ-Abdrücke seines Körpers in verbranntem Holz. Er konzipiert ein steinernes Denkmal für die Toten des Konzentrationslagers Buchenwald und gestaltet den Andachtsraum im Reichstag. „Wo Sprache versagt, beginnt das Bild“, fasst er seine Haltung zusammen.“

Quelle: Quirin Brunnmeier, „Künstler mit Haltung – Günther Uecker bleibt am Nagel der Zeit“, ntv online unter: https://www.n-tv.de/leute/Guenther-Uecker-bleibt-am-Nagel-der-Zeit-article19560546.html, 25.01.2017, aufgerufen am 26.01.2019

Ein Gedanke zu “Günther Uecker und seine Objektbenagelungen

  1. Dem Sog seiner Nagelbilder kann man sich, wenn man sie im Original vor sich hat, nicht entziehen….sie leben durch den Lichteinfall, den Blickwinkel. Ich mag sie sehr gern.
    Festgenagelt mit Blicken -:))) Karin

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