Walter de Maria und vertikale Erdkilometer

Mal wieder ein wenig weg von der Konkreten Kunst hin zur Landart und zu einem ihrer bekanntesten Vertreter: Walter de Maria. Der US-amerikanische Künstler studiert zunächst Kunst und Geschichte in Kalifornien uns siedelt dann nach New York um. Ende der sechziger Jahre wird er Teil der Landart Bewegung. Walter de Maria bleibt der Stadt verbunden und lebt dort bis zu seinem Tode 2013. Er vertritt die USA mit seinen minimalistischen, kargen und präzisen Werken gleich dreimal bei der documenta in Kassel. Dort entsteht auch der Vertikale Erdkilometer, sein vielleicht bekanntestes Werk in Deutschland:

„Es gab eine ziemliche Aufregung, damals 1977, als ein Bohrturm von den texanischen Oilfields vor dem Friedrichsdenkmal in Kassel aufgestellt wurde und bis zur Eröffnung der Dokumenta sich einen Kilometer tief ins hessische Fundament fraß.

Die Spuren des Globusanstichs waren bald getilgt. Heute erinnert nur noch ein fünf Zentimeter breiter goldener Knopf daran, dass unter ihm einsam Walter de Marias„Vertikaler Erdkilometer“ steckt, eine Tausendmeter-Sonde aus massiven Messingstäben, ineinander gesteckt und ineinander versteckt bis zum Ende aller Erdentage.

Er war der Spezialist für komplexe Kunstaufgaben im Hoch- und Tiefbau, Walter de Maria, der New Yorker Künstler, der mit seinen spektakulären Projekten noch einmal die stolzen Maximen der unnahbar elitären Avantgarde ausspielte. Kargheit in den Formen, Präzision in der Ausführung, Klarheit in der Gestik, Askese im Auftritt.

Ein hermetisches Programm, mit dem dennoch bezwingende sinnliche Erfahrungen zu machen waren. So inszenierte der Land-art-Künstler nördlich von New Mexiko auf einer Fläche von über einem Quadratkilometer mit 400 angespitzten Stahlstangen ein „Lightning Field“ (1974-77), das an einem Gewittertag zur kosmischen Umspannstation werden soll.

Es gibt nicht viele Kunstpilger, die die Blitzempfänglichkeit des Edelmetalls bezeugen können. Aber dass Kunst die Urkräfte zähmt, das war schon immer von verwegener Faszination.“

Quelle: Hans-Joachim Müller, „Er gestaltete Anfang und Ende der Unendlichkeit“, WELT-online, 29.07.2013, online unter: https://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur, aufgerufen am 03.03.2019

Zu den Lightning Fields und zu einer Wohnung voll mit Erde in den kommenden Tagen einmal mehr.

Hier noch der Link zu einigen Werken bei WikiArt: Walter de Maria

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