Ein Zimmer voller Erde in New York – der „Earth Room“

Vorgestern habe ich an dieser Stelle den Minimalisten und Landart-Künstler Walter de Maria vorgestellt. Eines seiner bekanntesten Kunstwerke ist seit über vierzig Jahren in New York zu sehen: Mitten im Viertel SoHo, wo Wohnraum so teuer ist wie sonst nur an wenigen Orten auf der Welt, ist ein ganzes Zimmer nur für Erde reserviert – Walter de Maria’s „Earth Room“

Walter de Maria, Earth Room, 1968, (c) WikiArt, Fair Use

„Draußen auf der Wooster Street im New Yorker Stadtteil SoHo drängen sich teure Designer-Modeläden aneinander, Autos und Lastwagen rattern über das Kopfsteinpflaster, hinter Gerüsten renovieren Bauarbeiter die früheren Fabrikgebäude oder ziehen gleich ganz neue Luxuswolkenkratzer hoch. Aber im ersten Stock des grauen Hauses mit der Nummer 141 ist es ruhig. Seit 40 Jahren liegt hier ein Haufen Erde.

Wie und wann genau der „Earth Room“ – 127 300 Kilogramm Erde verteilt auf 335 Quadratmeter in 56 Zentimeter Höhe – in dem Loft entstand, ist unklar. Sicher ist nur, dass er im Oktober 1977 eröffnet wurde. …

Es war nicht De Marias erster „Earth Room“. Zuvor hatte er schon einen in München und einen in Darmstadt installiert, doch die beiden überlebten nicht lange. Der „Earth Room“ auf der Wooster Street ist der einzige, den es noch gibt.

Ursprünglich sei die Ausstellung nur bis Anfang November 1977 angesetzt gewesen, schrieb die „New York Times“ in ihrer Besprechung damals und beschrieb die Installation als das „größte Katzenklo der Welt“. Ursprünglich stand das Werk auch zum Verkauf, aber das habe wohl schon damals niemand so richtig ernst genommen, sagt „Earth Room“-Pfleger Dilworth. Schließlich hätte der Käufer de facto fast 130 000 Kilogramm Erde bekommen, den bis zu zwölf Menschen zehn Tage lang in das Loft hineingeschaufelt haben.

Also liegt die Erde weiter in der Wooster Street. Wo sie herkommt, weiß niemand. „Einige behaupteten, sie komme von einem Feld in Pennsylvania. Aber Walter hat das zurückgewiesen und gesagt, sie komme aus dem Norden des Bundesstaates New York. Wir wissen es nicht…

Künstler De Maria lebte lange in SoHo, aber den „Earth Room“ besuchte er nicht oft, erinnert sich Dilworth. „Er war jemand, der sich auf den Eröffnungen seiner eigenen Ausstellungen versteckt hat – wenn er denn überhaupt hinging. Hierhin kam er sehr selten und wenn, dann schreckte er auf und rannte weg, wenn jemand anderes reinkam. Er wollte auch nie sagen, was seine Kunstwerke bedeuten.“

Die Installation ist heute beliebt wie nie zuvor. Früher kamen um die 3500 Menschen pro Jahr, jetzt sind es bis zu 17 000. Einerseits liege das daran, dass mehr Reiseführer den „Earth Room“ auflisteten, sagt Dilworth. „Aber andererseits liegt es auch daran, dass sich in New York alles verändert und das hier bleibt. Alles da draußen verändert sich und hier drinnen verändert sich nichts, das gibt Bedeutung.“

Quelle: „40 Jahre „Earth Room“: Ein Zimmer voller Erde, mitten in New York“, Monopol-Magazin-Online, 19.10.17, Online unter: https://www.monopol-magazin.de/ein-zimmer-voller-erde-mitten-new-york, aufgerufen am: 04.03.2019

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