Max Bill – Vermittler der Konkreten Kunst

Nach der vertiefenden Auseinandersetzung mit Max Bill in den vergangenen Tagen, hier ein vorläufig letzter Artikel zum Werk des Schweizer Allrounders. Eine Würdigung seines Lebens und Schaffens für die Konkrete Kunst:

Max Bill
Fotograf: Vogt, Marcel, Com L19-0188-0203A, Größe geändert von L. Hauschild, CC BY-SA 4.0

Manchmal hat man den Eindruck, Max Bill „… habe den Begriff „Konkrete Kunst“ als seinen ureigenen und sein Werk als den Höhepunkt der diesbezüglichen Entwicklung betrachtet. Dass er der Wortführer und die zentrale Figur des historischen Phänomens Konkrete Kunst war, ist nicht von der Hand zu weisen. Allein schon deshalb, weil es keinen anderen Künstler gibt, anhand dessen Lebensgeschichte und -werk sich ohne weiteres die Geschichte der Konkreten Kunst erzählen lässt: von Bills Studentenzeit am Bauhaus über die Schweizer Szene und die Verbindungen nach Paris bis zu seiner Zeit als Rektor der HfG Ulm. Immer war er mitten im Geschehen und oft derjenige, der innerhalb der konkreten Bewegung den Ton angab.

Als Bill 1928 nach zwei Jahren sein Studium am Bauhaus abbrechen musste, wo er Kurse bei Albers, Moholy-Nagy, Schlemmer, Kandinsky und Klee besucht hatte, versuchte er sich in Zürich als Architekt, verdiente sein Geld aber stattdessen mit Grafikdesign … Es dauerte eine ganze Weile, bis er sich als Maler von seinem Lehrer Klee emanzipierte und Anfang der 30er Jahre, zu geometrisch-konstruktiven Lösungen fand. Bill war erst Mitglied von Abstraction-Création in Paris, einem Sammelbecken für ungegenständlich arbeitende Künstler, dann ab 1937 bei der Schweizer Künstlervereinigung Allianz, wo unter anderem jene Maler zusammenkamen, die man später „Zürcher Konkrete“ nannte.

So knüpfte er ein Netzwerk aus ehemaligen Bauhaus-Leuten und der Pariser und Schweizer Szene, auf das er immer wieder zurückgriff – etwa, als es Anfang der 50er Jahre darum ging, Dozenten für die neu gegründete HfG Ulm zu finden … Unter anderem engagierte er die ehemaligen Bauhäusler Walter Peterhans. Josef Albers und Helene Nonne-Schmidt für die Leitung des Grundkurses, was seiner Forderung nach einer „weiterentwicklung der bauhaus-idee“ Ausdruck verlieh. Eine solche Kontinuität der Moderne konnte nur jemand wie Bill vermitteln, und vielleicht war das auch seine bedeutendste, entscheidende Rolle innerhalb der Konkreten Kunst: die des Vermittlers. Bill war nicht nur ein Bindeglied zwischen den Generationen, sondern auch zwischen den Disziplinen.

Kein anderer konkreter Künstler arbeitete auf so vielen Gebieten wie er selbst, … als Maler, als Plastiker, als Architekt, als Grafikdesigner, als Produktdesigner, als Ausstellungsgestalter, als Ausstellungskurator, als Herausgeber, als Theoretiker‚ dazu noch als Lehrender und als Politiker.“

Quelle: Markus Zehentbauer: „Der Konkreteste Konkrete? Max Bill“, in: Die Idee Konkret, hrsg. von Tobias Hoffmann, Museum für konkrete Kunst Ingolstadt, Wienand Verlag, Köln, S. 47f

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