Los Disidentes – von Paris nach Caracas

Ich habe vor einigen Tagen über Alejandro Otero geschrieben, einen wichtigen Künstler für die Abstraktion in Venezuela und Mitbegründer  einer Künstlerbewegung in Paris: „Los Disidentes“

Die Künstlergruppe wird 1945 eben in Paris gegründet und bleibt bis 1950 aktiv. Die Gruppenmitglieder sind venezolanische Künstler mit einem Bezug zu Paris. Neben Alejandro Otero Jesus Rafael Soto und einigen anderen Künstlern, gehören auch Genaro Moreno und Narciso Debourg mit zur Gruppe. Diese beiden Künstler werden später insbesondere auch durch ihre geometrisch-abstrakten Werke bekannt.

Die Dissidenten experimentieren mit einer Reihe von Strömungen der zeitgenössischen Kunst und fühlen sich der Abstraktion verpflichtet. Sie lösen sich vom dominierenden Figurativismus und erneuern damit die traditionelle venezolanische Malerei nachhaltig.

los_disidentes

Los Disidentes, Zeitschrift der „Los Disidentes“ Künstlergruppe in Paris

Die Gruppe veröffentlicht dann auch noch eine Zeitschrift mit dem Namen „Los Disidentes“, die allerdings nur in fünf Ausgaben erscheint. Diese Publikation dient hauptsächlich dazu, die künstlerischen Prinzipien der Gruppe, die im sogenannten „Manifest NO“ zusammengestellt sind, zu verbreiten. Hier ein Auszug aus dem Manifest:

„Wir sind nicht nach Paris gekommen, um diplomatischen Kursen zu folgen, noch um eine „Kultur“ zur persönlichen Bereicherung zu erwerben. Wir sind gekommen, um uns den Herausforderungen zu stellen, mit ihnen zu kämpfen und zu lernen, Dinge bei ihrem Namen zu nennen. Deshalb können wir dem Klima der Unwahrheit, das die kulturelle Realität Venezuelas darstellt, nicht gleichgültig gegenüber stehen. Zu Verbesserung dieser Realität glauben wir einen Beitrag leisten zu können, indem wir ihre Fehler mit äußerster Härte angreifen und die Schuld auf die wirklichen Verantwortlichen oder diejenigen, die sie unterstützen, schieben…

Wir sind Venezolaner (und wir werden es auch weiterhin sein) und wir waren die ersten Opfer dieser traurigen Lage. Heute rebellieren wir gegen sie, und wir sprechen laut, weil es notwendig ist…

„NEIN“ ist die Tradition, die wir etablieren wollen. Das venezolanische „NEIN“, das uns so viel kostet. „NEIN“ zu den gefälschten Official Art Rooms…
„NEIN“ an die „Escuela de Artes Plásticas“ und deren Förderung von Impressionisten…
„NEIN“ zu falschen Kunstkritikern.
„NEIN“ zu den falschen folkloristischen Musikern.
„NEIN“ zu falschen Dichtern und Autoren.
„Nein“ zu den Zeitungen, die so viel Absurdität unterstützen, und zu der Öffentlichkeit, die jeden Tag folgsam zum Schlachthof geht.

Wir sagen „Nein“ ein für alle Mal zum „consumatum est Venezuela“, mit dem wir niemals mehr als eine Ruine sein werden.“

Quelle: Das Manifest ist in spanischer Sprache bei Wikipedia zu finden: Manifest NO https://es.wikipedia.org/wiki/Manifiesto_No, hier eine eigene Übersetzung

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