Grupo Frente versus Grupo Ruptura – eine Gegenüberstellung

Die Grupo Frente wird von Ivan Serpa gegründet, einem Künstler und Pädagogen, der im Museum für Moderne Kunst in Rio (MAM Rio de Janeiro) unterrichtete. Die Gruppe besteht aus Künstlern unterschidlicher Stilrichtungen. Vereint sind die Künstler der Gruppe in ihrer Ablehnung von Wissenschaft und Mainstream-Ideen und in ihrer Reaktion auf die sich schnell verändernde, moderne Welt um sie herum, durch eine Kunst, die größtenteils geometrisch ist.

Trotz ihres vorherrschenden geometrischen Abstraktionsstils ist die Gruppe nicht an den starren Rationalismus gebunden, der ihr puristisches Gegenstücke in São Paulo kennzeichnet: Die Grupo Ruptura folgt den Ideen des Schweizer Künstlers Max Bill. Fest verwurzelt in einer Abstraktion, die frei von Assoziationen zu beobachteten Realität und symbolischer Bedeutung ist, ist die konkrete Kunst der Grupo Ruptura von konstruktivistischen Prinzipien und dem Neoplastizismus geprägt. Die Grenzen zwischen Kunst und Industriegrafik-/desgin verwischen dabei oft.

Gegenüber dem nüchternen Ansatz der Grupo Ruptura profitiert die Grupo Frente von Ivan Serpas früheren Erfahrungen in einer psychiatrischen Klinik, in der er neue therapeutische Verfahren mit dem Kritiker Mário Pedrosa entwickelt, der die Gruppe zusammen mit seiner Kollegin Ferreira Gullar begleitet und seine Erfahrungen innerhalb der Gruppe diskutiert. Obwohl sie in der geometrischen Abstraktion der konkreten Kunst verwurzelt war, war Offenheit für Experimente und ein Mangel an künstlerischer Zensur ein wichtiger Teil von Frentes Ethos. Dies stellte einen inhärenten Widerspruch zu den Prinzipien ihrer orthodoxen Kollegen aus São Paulo dar und gab ihnen die Freiheit, mit neuen Techniken und Materialien zu experimentieren.

Die Grupo Frente und die Grupo Ruptura haben gemeinsam die brasilianische Kunstszene in den 1950er Jahren angeführt und nachhaltig stimuliert. Die Dynamik und der Ideenreichtum der Gruppen haben zu einer rasanten Veränderung der brasilianischen Kunstszene geführt: Die gemeinsame Vorstellung, die geometrische Abstraktion als einen Raum des freien Denkens und Experimentierens zu betrachten, ebnete den Weg für die Infragestellung der Möglichkeiten in der Kunst.

Hier noch ein Link zu einer englischsprachigen Quelle, aus der ich Teile des Textes übersetzt und übernommen habe. Dort wird noch tiefergehender der Unterschied der Gruppen dargelegt: Camila Belchior, ‚The artist collective Grupo Frente (1954–1956)‘, in OCULA-Online, unter: https://ocula.com/magazine/reports/report-grupo-frente/, aufgerufen am 25.02.2018

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