Farbfeldmalerei

Nochmal zu Stanley Whitney und Sean Scully und ihren Farbfeldern.

Die Farbfeldmalerei ist nichts Neues. Sie ist eine der vielen Ausdrucksformen zeitgenössischer Kunst; in den fünfziger Jahren wird daraus ein eigener Kunststil. Vor allem amerikanische Künstler setzen sich in diesen Jahren mit Farbfeldern auseinander und die Farbfeldmalerei wird daher oft der amerikanischen Avandgardemalerei zugeordnet. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass großflächige, homogen gefüllte Farbfelder aneinandergesetzt werden.

Eine Vielzahl von Künstlern experimentieren mit Farbfeldern – über Paul Klee und seine Farbfelder habe ich bereits geschrieben. Theo von Doesburg, der Urvater der Konkreten Kunst hat Farbfelder gemalt, Piet Mondrian sowieso und heute sind es eben Künstler wie Stanley Whitney und Sean Scully.

Theo van Doesburg Composition XX, 1920

Theo van Doesburg, Composition XX, 1920 (CC0)

Zurück zur Innovation der Farbfeldmalerei in den USA:

„Die Farbfeldmalerei, so will es jene Kunstgeschichtsschreibung, ist eine US-amerikanische Innovation. Mehr noch: sie ist der Durchbruch der Malerei schlechthin, der ihr erstmals zu jener Art von Autonomie verholfen habe, die gemeinhin als Moderne im eigentlichen Sinne gekennzeichnet wird. Denn erst in der Farbfeldmalerei emanzipiert sich die Malerei von allen inhaltlichen und formalen Fremdbestimmungen und nimmt sich selbst zu ihrem eigenen Gegenstand. Vom Blickpunkt einer Geschichte der Kunsttheorie ist daran nicht allein der Isolationismus bedeutsam, der ältere europäische Bewegungen, von Malewich‘ Suprematismus bis zur De Stijl Gruppe um van Doesburg und Mondrian in der Retrospektive gerne übergeht. Bemerkenswerter ist, dass diese Innovation in den USA im Unterschied zu Europa nicht von Künstlern ausging, sondern von einer sich gerade etablierenden Zunft von Kunstkritikern, die ihren heimischen Künstlern die neuen Theorien gleichsam verordneten. Denn nur so konnte der transatlantische Ideenimport zugleich ein folgenreiches Spannungsverhältnis zwischen Kunsttheorie und Kunstpraxis fördern.“

Quelle: Joachim Schummer: „Color Field Painting als ‚reine Malerei‘“; erschienen in: Farbe, Felder, Philosophie: Ein Ästhetischer Dialog, hrsg. Gert Reising, München, 2000, S. 23-39; http://www.joachimschummer.net/papers/2000_Colorfieldpainting_Reising.pdf

Siehe auch:
Nicht viel Konkretes – documenta14

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