Biennale Venedig 22 – der spanische Pavillon

Der katalanische Künstlers Ignasi Aballí ist mit seinem Projekt ‚Correction – Korrektur‘ im spanischen Pavillon auf der Biennale zu sehen. Beziehungsweise ist das Projekt eigentlich nicht im Pavillon zu sehen – der Pavillon ist das Projekt.

Spanischer Pavillon auf der Biennale in Venedig, (c) eigene Fotografie

Ignasi Aballís Projekt besteht aus zwei Aktionen: einer architektonischen Intervention im Maßstab 1:1 des Pavillons und der Veröffentlichung von sechs Büchern über Venedig. Beide Aktionen entstammen der Idee, die offensichtlichen Fehler zu korrigieren, die der Künstler bei seinen Recherchen zur Physiognomie des Pavillons und der Stadt Venedig gefunden hat. Zunächst korrigiert Ignasi Aballí den Grundriss des spanischen Gebäudes, indem er die gesamte Struktur um zehn Grad dreht und so an den benachbarten Pavillons im Ausstellungsgelände der Giardini ausrichtet. Mit der zweiten Aktion korrigiert er die allgemein akzeptierte Vorstellung eines Fremdenführers durch diese italienische Stadt.

Die Korrektur ergibt sich aus einem offensichtlichen Fehler, den Ignasi Aballí bemerkte, als er sich die Pläne für den spanischen Pavillon in Bezug auf seinen Standort in den Giardini der La Biennale di Venezia ansah. Sie zeigen, dass das Gebäude im Vergleich zu den benachbarten Pavillons der Niederlande und Belgiens leicht versetzt erscheint. Hinzu kommt eine beunruhigende Nähe zu letzterem, wo sich die Wände beider Pavillons zu berühren scheinen. Auf dieser Grundlage vertritt Aballí die Hypothese, dass der aktuelle Standort des spanischen Pavillons ein Fehler ist, und stellt die Frage, was passieren würde, wenn wir den Pavillon verschieben würden, um ihn an den Rest der angrenzenden Gebäude auszurichten, und welche Änderungen diese Änderung implizieren würde?

Infolgedessen „rekonstruiert“ Correction das Innere des spanischen Pavillons, indem Ignasi Aballí ihn um zehn Grad dreht, um ihn an den benachbarten Gebäuden auszurichten. Ein Eingriff in die Architektur des Gebäudes, der die Erinnerung räumlich auf den Kopf stellt und den Ausstellungsraum, seinen Standort in den Giardini und seine Beziehung zur Stadt selbst modifiziert.

Parallel zur Drehung des Pavillons wird das Projekt mit der Veröffentlichung von sechs Reiseführern über Venedig abgeschlossen, die darauf abzielen, das zu korrigieren, was wir normalerweise unter einem Reiseführer für die Stadt verstehen würden. Einen weiteren offensichtlichen Irrtum macht Ignasi Aballí in Bezug auf die Stadt selbst aus: Venedig ist eine der meistbesuchten Städte der Welt und steht gleichzeitig vor großen Problemen durch den Massentourismus, der die Stadt an den Rand des Zusammenbruchs bringt. Dieser Widerspruch, der zu der globalen Pandemie hinzukommt, die dazu geführt hat, dass die Stadt „fälschlicherweise“ leer ist – als wäre dies eine Anomalie – veranlasst den Künstler, sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten: ein Venedig, das den schnellen Besuch des Alltagstouristen verlangsamt. Die sechs kostenlosen Reiseführer mit den Themen ‚Inventar‘, ‚Geschichten‘, ‚Panorama‘, ‚Landschaften‘, ‚Horizonte‘ und ‚Fast‘, werden an verschiedenen Stellen in der Stadt verteilt.

Quelle dieser Einführung und weiter Informationen zum spanischen Pavillon bei InVeniceToday.com; weitere Informationen zu Projekt und Künstler auf dessen Webseite: Ignasi Aballí

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