Hermann Glöckner – von Bildern und Tafeln

Vorgestern habe ich den Dresdner konstruktiven und konkreten Künstler Hermann Glöckner vorgestellt. Hermann Glöckner, geboren 1889, besucht von 1904 bis 1911 Abendkurse an der Kunstgewerbeschule Dresden, dient von 1914 bis 1918 als Soldat im Ersten Weltkrieg und studiert in den zwanziger Jahren an der Kunstakademie Dresden.

Herrmann Glöckner, Faltung eines Rechtecks im Garten des Leonhardimuseums in der Grundstr. 26 in Dresden-Loschwitz, SchiDDFaltung-Rechteck-GlöcknerCC BY-SA 3.0

Zu Beginn der dreißiger Jahre entscheidet sich Hermann Glöckner dazu, seine Kunst neu aufzusetzen. Er distanziert sich von den gegenständlichen Werken seine jungen Jahre – hauptsächlich Landschaftsdarstellungen und Porträts – und beschäftigt sich fortan in seiner Malerei mit konstruktiven und geometrischen Grundlagen. Und Hermann Glöckner beginnt ‚Tafeln‘ anzufertigen anstelle von ‚Bildern‘: Diese Tafeln entstehen aus verschiedensten, collagierten Pappen und Papieren, die mit Messer, Schere und Falzbein bearbeitet und mit Leimen und Lacken gehärtet, verbunden und versiegelt werden. Die Tafeln kommen bisweilen ohne jeden Farbauftrag aus und schöpfen ihre ganze farbliche Harmonie aus Hermann Glöckners bedachter und feinsinniger Wahl der Materialien. Es entsteht so nicht nur eine Illusion von Dreidimensionalität, sondern tatsächlich auch ein Farbobjekte, welches in der Hand gehalten, gewendet und studiert werden kann. “Die Tafeln sind konzipiert als im Grundsatz gleichartige, gleich große und gleich starke Gevierte, die stabil sind, einladend zum Wenden und Drehen, mit Vorderseite und gestalteter Rückseite. Meistens siegelt der Künstler sein Produkt rückseitig mit dem aus dem Kreis geformten Anfangsbuchstaben seines Namens, dem konstruierten G.” Damit greift Hermann Glöckner in dieser frühen Werkgruppe bereits einer Tendenz der Kunst vorweg, die in den 1960er Jahren virulent werden sollte: dem Ausstieg aus dem Bild. Mit ihm begeben sich die Künstler auf die Suche nach neuen Ausdrucksformen, die das klassische, zweidimensionale Bildformat hinter sich lassen.

Quelle der Zitate: R. Mayer, in: Hermann Glöckner. Die Tafeln, Dresden 1992, S. 11 und ‚Hermann Glöckner‘, Lehr-Kunstauktionen, online unter: Hermann Glöckner

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