Konzeptkunst – das Einzige was stört ist das Kunstwerk

Vorgestern habe ich den „Kunststil“ der Konzeptkunst vorgestellt und den Wunsch der Konzeptkünstler erläutert, emotionale Inhalte der Kunst – zu Gunsten der Idee – in den Hintergrund zu rücken. Noch deutlicher ausgedrückt: Die Konzeptkunst bestimmt schon früh der Wunsch, das Kunstwerk beiseite zu lassen.

Bits & Pieces Put Together to Present a Semblance of a Whole, de Lawrence Weiner. Walker Art Center, Minneapolis, Minnesota, GearedBullWeinerTextCC BY-SA 3.0

Konzeptkunst ist schlussendlich der Höhepunkt eines Weges, der seit dem Impressionismus die Entwicklung der zeitgenössischen bildenden Kunst durch den Wunsch gekennzeichnet hat, die Kunst selbst von den formalen und kulturellen Zwängen zu lösen, die ihre Tradition ausgemacht hat. Die Konzeptkunst mit ihrem Ansinnen, sogar auf das Kunstwerk zu verzichten, nachdem zunächst der Naturalismus, dann die Nachahmung der Natur im Postimpressionismus und Expressionismus, die Perspektive im Kubismus, die Vergangenheit im Futurismus, der käufliche Wert des Kunstwerkes im Dadaismus, die Form in der informellen Kunst überwunden wurde, stellt zweifellos wohl den höchsten und zugleich letzten Moment dar, der die künstlerische Forschung der Avantgarden des 19. und 20. Jahrhunderts ausmacht.

Die ersten „konzeptuellen“ Strömungen stellen die Neo Dada- und Minimal Art-Bewegungen zwischen den 50er und 60er Jahren dar: Die erste Strömung, deren Hauptvertreter, wie Jasper Johns und Robert Rauschenberg später zu führenden Vertretern der Pop Art werden, ist geprägt von der Nutzung von Gegenständen, die dem Alltag entnommen und in das Kunstwerk eingefügt werden. Eine ähnliche Neigung Alltagsgegenstände für Kunst zu verwenden, wird bald die neodadaistischen Provokationen italienischer Künstler, wie Piero Manzoni, bekannt für seine Dosen mit Künstlerscheiße, Vincenzo Agnetti, Mario Merz, Maurizio Nannucci oder Giulio Paolini, auszeichnen. Auch der, in den USA entstehende, Minimalismus zeichnet sich in dieser Zeit durch die Herstellung großer geometrischer Strukturen aus, die von rein konstruktiven Methoden inspiriert sind – ohne Zugeständnisse an Empathie oder ästhetischen Genuss.

In den folgenden Jahren werden die von diesen beiden Strömungen gesetzten Prämissen von der eigentlichen Konzeptkunst mit Künstlern wie Joseph Kosuth, Bruce Nauman, Lawrence Weiner und Joseph Beuys, der italienischen Arte Povera mit Künstlern wie Alighiero Boetti, Giulio Paolini, Mario Merz, Jannis Kounellis und Michelangelo Pistoletto sowie den Künstlern der sogenannten ‚Narrative Art‘ übernommen. Von Joseph Kosuth inspiriert, setzen sich die Konzeptkünstler dieser Jahre hauptsächlich mit dem narrativen Dualismus von Bild und Schrift auseinander. Darüber hinaus florieren zwei Formen konzeptionellen, künstlerischen Handelns – das Happening und die Performance. Beides entwickelt sich in diesen Jahren zu eigenständigen Kunstrichtungen mit starken und offensichtlichen Analogien zur Konzeptkunst

Waren der historische Hintergrund von Happening und Performance sicherlich die ‚Futurist Evenings‘ der italienischen Futuristen und das ‚Cabaret Voltaire‘ der Dadaisten, so entsteht aus der Idee der Konzeptkunst vor allem auch die Body Art, die sich durch die Verwendung der Körper des Künstlers selbst für Aktionen, die manchmal bis an die Grenzen der Selbstverletzung getrieben werden, auszeichnet. Die Land Art wiederum – ebenfalls im Kontext der Konzeptkunst Ende der sechziger Jahre entstanden-, gehört gemeinsam mit dem Minimalismus zu den radikalsten künstlerischen Konzepten jener Zeit. Im Unterschied zum Minimalismus, der um Objektivität bemüht war und hauptsächlich im Kontext der Galerien und Museen zu finden ist, wird die Land Art durch eine romantische, aber auch durch eine explizit gesellschaftskritische Komponente gekennzeichnet. Ihre Ergebnisse sind oft spektakuläre, künstlerische Verbindung von Aktion und Territorium (so beispielsweise die Verpackungen des Bulgaren Christo, Künstler aus dem Nouveau Réalisme oder die spektakulären Interventionen des Amerikaners Walter De Maria)

Seit Mitte/Ende der siebziger Jahre gibt es dann wiederum Strömungen, die die Konzeptkunst in dem Sinne überwinden, dass bewusst wieder das Objekt der Kunst in den Vordergrund gestellt wird. Diese Rückkehr zum Objekt ist beispielsweise ein Ansinnen der sogenannten ‚Transavanguardia‘, einer Kunstrichtung, die besonders in Italien viele Anhänger findet.

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