Konzeptkunst – nur die Idee zählt

Kaum ein Kunststil wird so kontrovers diskutiert, wie die Konzeptkunst. Manchmal wird der Konzept“kunst“ gar die „Kunst“ abgesprochen, denn eigentlich zählt bei der Konzeptkunst eben das Konzept – also die Idee hinter einem vermeintlichen Kunstwerk – und nicht die Ausführung. Konzeptkunst ist also quasi eine „Kunst“, bei der allein die Idee zählt und es auf die Umsetzung in Malerei, Skulptur, … eigentlich nicht ankommt.

Konzeptkunst – oder englisch Conceptual Art bzw. Concept Art – entsteht in den sechziger Jahren aus dem Minimalismus heraus. Insbesondere der US-amerikanische Künstler Sol de Witt fördert die Entwicklung hin zur Konzeptkunst. Die Definition der Konzeptkunst im Kontext der zeitgenössischen Kunst geht auf Joseph Kosuth zurück, der sie Mitte der sechziger Jahre benutzt, um sein Ziel einer Kunst zu definieren, die auf dem Denken basiert und nicht mehr auf einem heute missverstandenen und zweideutigen, ästhetischen Genuss.

Die Begriff ‚Konzeptkunst‘ geht auf den US-amerikanischen Philosophen, Musiker und Künstler Henry Flynt zurück. Er ist letztlich ein Sammelbegriff für verschiedene, eigenständige Tendenzen in der abstrakten Kunst und steht für unterschiedliche Kunstrichtungen wie Objektkunst, Fluxus, Performance, Wiener Aktionismus oder Happening. Alle dies Kunstrichtungen haben den Gedanken gemein, dass sie die Bedeutung eines Kunstwerks als vorrangig gegenüber dessen Realisierung erachten. Konzeptkunst ersetzt das materialisierte Kunstwerk durch die öffentlich gemachte Idee, die eine Art Denk- oder Handlungsanweisung für den Betrachter bildet, auf den fiktiv die Realisierung übertragen wird. Konzepte können verbale Anleitungen, Photographien, Videoaufzeichnungen, Skizzen, Pläne, Modelle und andere Belege oder Dokumente sein. Meist verweisen sie auf Prozesse – daher sind die Übergänge zur sogenannten Prozesskunst auch fließend – aber auch auf herstellbare Objekte. Ziel ist stets, Phantasie zu bewegen und ästhetische Handlungen anzuregen.

Sol LeWitt, Cappella del Barolo a La Morra,
Von Caulfield – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=92921153

Ich habe im Sommer hier im Blog Performancekunst und Performancekünstler vorgestellt und – zum Anlass seines 100. Geburtstages – die Kunst Joseph Beuys‘ gewürdigt. Die Performancekunst ist ebenso Teil der Konzeptkunst, wie Joseph Beuys ein wichtiger Vertreter eben dieser Konzeptkunst ist. Ich befasse mich derzeit immer noch mit der Performancekunst und der Konzeptkunst im Allgemeinen und werde – weit weg von der Konkreten Kunst – in den kommenden Tagen noch ein wenig mehr zu diesen Kunstrichtungen zusammentragen.

Quelle des obigen Zitats: „Olbrich, Harald u.a. (Hrsg.): Lexikon der Kunst. Bd. 2, München, 1996, S. 21-22“

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