200 Jahre argentinische Kunst

Zum vorläufigen Abschluss meiner Reihe zu den Modernen und Konkreten Künstlern Argentiniens nochmals eine kurze Zusammenfassung der Geschichte der argentinischen Kunst, die ich in einem Artikel des Deutschlandfunkes gefunden habe:

„Am Anfang nach der Unabhängigkeit vor 200 Jahren dominieren die europäischen Vorbilder, die Romantik, der Realismus und schließlich auch die Strömungen der Moderne. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg kommen amerikanische Strömungen hinzu, die naturgemäß in dem südamerikanischen Land immer höchst zwiespältige Aufnahme finden. Doch Europa liegt nach dem Krieg am Boden, Argentinien selbst versinkt in einer Reihe wechselnder Regime und Diktaturen. Die 1960er- bis 80er-Jahre … zeigen eine ganze eigene Form von Widerstandskunst, die sich einerseits der Darstellungsmittel amerikanischer Künstler, etwa der Pop Art, bedient. Aber ihre pathosbeladenen, teilweise schwülstigen Anklagen richten zugleich gerade gegen die Einflüsse der USA und ihrer Unterstützung der argentinischen Militärdiktatur. Die Überwindung der Diktatur hat dann seit den 1990er-Jahren auch in der argentinischen Gegenwartskunst ihre Spuren hinterlassen. Sie öffnet sich den globalen westlichen Märkten, schließt sich dem internationalen Mainstream an, bedient sich zunehmend der Neuen Medien und distanziert sich ironisch von den heroischen Kunstbegriffen der Zeit vorher. …

Alejandro Xul Solar, Muy Mago (portrait of Aleister Crowley), 1961
Quelle: WikiArt, (c) FairUse

Freunde von nationaler Kunstzuschreibung werden fragen, was denn angesichts so vieler äußerer Einflüsse das spezifisch Eigene, Unverwechselbare, typisch Argentinische dieser Kunst sein soll. Allerdings zeigt sich schnell, dass man, wie in allen ehemaligen Kolonien Südamerikas, mit dieser Frage nicht weiterkommt. Denn immer dann, wenn die jungen, gerade unabhängig gewordenen Staaten versucht haben, sich mithilfe einer repräsentativen Staatskunst eine eigene, unverwechselbare Geschichte zu geben, kam eigentlich eine Imitation der europäischen Staatskunst dabei heraus. Dementsprechend kopiert sah dann oft auch die offizielle argentinische Kunst dieser Zeit aus.“

Quelle: Probst, C.: „Argentiniens künstlerischer Weg in die Gegenwart“, in Deutschlandfunk online vom 04.10.2010, online unter: https://www.deutschlandfunk.de/argentiniens-kuenstlerischer-weg, aufgerufen am 01.03.2021

Die Konkrete Kunst Argentiniens ist international bekannt und eine ganze Reihe von Künstlern genießen große Anerkennung für ihre Verdienste in der geometrischen, konkreten Kunst, aber auch in Design und Grafik. Tomas Maldonado ist durch seine Zeit an der Hochschule für Gestaltung in Ulm der in Deutschland wohl bekannteste konkrete Künstler Argentiniens. Aber auch Carmelo Arden Quin oder Raul Lozza sind durchaus in Deutschland und Europa bekannt. Werde die Reihe irgendwann mal weiterführen, denn die Konkrete Kunst in Argentinien hat auch in der Gegenwart noch eine ziemlich lebendige Szene.

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