Mit Polyester Kunst machen – Horst Kuhnert

Gestern habe ich Horst Kuhnert und seine konstruktiven Skulpturen vorgestellt. Ich habe noch einen lesenswerten Artikel in den Stuttgarter Nachrichten gefunden, der anlässlich einer Ausstellung in der Galerie Schlichtenmaier im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde:

Horst Kuhnert, Plastik von innen nach aussen, 1975, – Stuttgart-Zuffenhausen
Kamahele0239-02-Stuttgart Kuhnert-11 027CC BY-SA 3.0 DE

Mit Polyester Kunst machen – geht das? Horst Kuhnert macht es vor: „… Anfang 20 ist er, Absolvent der Stuttgarter Akademie. Der Schüler von Heinrich Wildemann hat eine klare Vorstellung. „Ich wollte in den Raum und mit dem Raum arbeiten – aber nicht mit den klassischen Materialien“, sagt er im Rückblick. Er probiert vieles aus. Jedoch: „Ton, Sand, Quarzsand, Holz – das war alles nicht mein Ding.“ Der Grund? „Ich wollte nicht in Strukturen hineinfallen, die Natur hergibt“, sagt er. ­Kuhnert will einen neutralen Grund, allein die Form soll wirken können.

Er versucht es mit Alabastergips. „Das war viel zu schwer“, erinnert sich Kuhnert. Dann gibt ihm Pfahler, 1958/1959 mit der Gruppe 11 bekannt geworden, einen Tipp. Ein Bauer in Murr an der Enz stellt Bergwerklohren aus Polyester her. Das könnte das Richtige sein – leicht, gut formbar, neutral im Charakter. Und tatsächlich: Bald gilt Horst Kuhnert als Erster einer neuen Zeit.

Mehr als fünf Jahrzehnte später steht Kuhnert inmitten unzähliger Besucher in der Galerie Schlichtenmaier …Das Kuhnert-Panorama seit den 1960er Jahren ist ausgebreitet – bis hin zu Bildern der vergangenen Jahre. Bilder? „Der Gedanke der Malerei ergab sich aus der Folge ,Stabil-instabil’“, sagt Kuhnert. Sie brachte den Schritt von den Raumkörpern zu Raumstrukturen – und ein bleibendes Erlebnis. „Ich habe die Plastik auf dem Tisch, schaue sie an und denke sie zurück in den Raum, der unendlich ist“, sagt Horst Kuhnert. Die Malerei mache „den realen Raum zum gedanklichen Raum“…

Der Überblick bei Schlichtenmaier macht aber auch dies deutlich: Zu Beginn genießen Kuhnerts Skulpturen wie dem „Raumkörper“ von 1965 das Fließende, die Bewegung. Das Spitze aber, das Scharfkantige, gibt er nicht auf, ebenso wenig das Interesse an einer denkbar sich selbst multiplizierenden Raumdurchquerung. Und eben auch hieran schließt die Malerei an.“

Quelle: Forstbauer, N., „Galerie Schlichtenmaier: Hommage an Horst Kuhnert – Kuhnert: ‚Ich sehe mich als Erfinder'“, Stuttgarter Nachrichten online, 22.05.2019, online unter: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/, aufgerufen am 17.02.2020

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