Geometrische, lyrische, nachmalerische … Abstraktion

Zum Abschluss meiner kleinen Reihe über die Nachmalerische Abstraktion und einige ihrer Vertreter, noch einmal zurück zu den Vorläufern dieses Stils: geometrische und der lyrische Abstraktion.

„Die Lyrische Abstraktion ist zwischen 1945 und 1956 eine populäre Spielart des Abstrakten Expressionismus. Als impulsive, von Kompositionsregeln befreite expressive Ausdrucksform sah sie sich im Gegensatz zur geometrischen Abstraktion, die auf konstruktivistischen Regeln beruhte.

Gustave Singier, Soleil/Maree basse I 1953
Quelle: WikiArt, (c) FairUse

In den legendären Jazz-Kellern im Pariser Saint-Germain-des-Prés-Viertel ließen sich 1945 die Schrecken des gerade zu ende gegangenen Weltkriegs sicher am besten vergessen. … ‚Die Maler trafen sich nach Kriegsende wieder, um ihre Kunst weiterzuentwickeln. Sie begaben sich auf die Suche nach neuen künstlerischen Lösungen. … Das Experimentieren mit der freien Abstraktion spielte sich in Paris ab. Hier trafen Künstler aus aller Welt zusammen. Einige entschieden sich für die geometrische Abstraktion, andere wiederum für die lyrische Abstraktion. Zwischen diesen beiden Lagern herrschte ein regelrechter Kleinkrieg. Gemeinsam war jedoch allen, dass sie in absoluter Freiheit und Unabhängigkeit arbeiten konnten. Die Maler der lyrischen Abstraktion entschieden sich für die Verwendung von Zeichen. Auch der Malakt sollte sichtbar sein. Farben und Licht spielten eine große Rolle. In der geometrischen Abstraktion war so viel Freiheit nicht möglich.‘ Dass die Maler der lyrischen Abstraktion sich weder als Künstlergruppe verstanden noch sich an einem Programm orientierten, zeigen ihre Werke, die unterschiedlicher kaum sein könnten. …

‚Die ersten abstrakten Kunstwerke wurden von Kandinsky geschaffen. 1910 hat er seinem berühmten Aquarell selbst den Titel „erstes abstraktes Kunstwerk“ gegeben. In das Jahr 1912 datiert sein großformatiges Werk „Mit großem schwarzem Bogen“, das heute im Centre Pompidou aufbewahrt wird. Dieses Bild sollte für die Generation von Künstlern, die wir jetzt in der Ausstellung zeigen, zu einem Schlüsselwerk werden, denn es wurde 1937 in einer großen Schau in Paris gezeigt. All diejenigen jungen Maler, die bis dahin noch figurative Bilder schufen, bereits mit der Abstraktion experimentierten oder schlicht auf der Suche nach künstlerischem Neuland waren, entdeckten dieses Werk und Kandinsky für ihre Arbeit. Sie waren begeistert und beschlossen ihre Kunst an diesem Schlüsselbild auszurichten.“

Es entstehen Werke, die oft spontan und schnell ausgeführt scheinen. Das Experimentieren wird großgeschrieben, etwa wenn Georges Mathieu seine Farbe direkt aus der Tube auf die Leinwand presst. Der französische Staat zeigt zunächst wenig Interesse an einer jungen abstrakten Kunst, die im Nachkriegs-Paris entsteht. Es sind vor allem private Galerien und ausländische Sammler, die sich von der lyrischen Abstraktion verführen lassen.“

Quelle: Björn Stüben, ‚Experimente freier Abtsraktion‘, Deutschlandfunk Online, 24.04.2006, online unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/experimente, aufgerufen am 28.12.2019

Die Nachmalerische Abstraktion nimmt die Verführungen der lyrischen Abstraktion ebenso auf, wie die Strenge der geometrischen Abstraktion und versucht zu vermitteln. Der Abstrakte Expressionismus wiederum vereint all diese Abstraktionen und wird in den US zum dominierend Kunststil der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Bei Gelegenheit einmal mehr zu den wesentlichen Vertretern eben dieses Abstrakten Expressionismus.

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