Maya, Inka, Pyramiden und andere Inspirationen

Nochmal zu Alfred Jensen, dem dänisch-guatemaltekisch-amerikanischen Maler, der zu den wichtigen Vertretern der Nachmalerischen Abstraktion gehört. Zur Erinnerung: die Nachmalerische Abstraktion entwickelt sich als Variante des abstrakten Expressionismus. Die farbenreiche, gestische Malerei des abstrakten Expressionismus erhält wieder mehr Konturen und mehr Linearität. Geometrischen Formen werden wieder zunehmend mehr zur Bildgestaltung verwendet.

Alfred Jensen „hat Goethes Farbenlehre studiert und die Schriften Leonardo da Vincis, war fasziniert von Zahlensystemen. Und die Kalender der Maya und Inka spielen in den Bildern … genauso eine Rolle wie die Baupläne ägyptischer Pyramiden.

Alfred Jensen, An Influence of the Earth’s Motion on Optical Phenomena, 1961
Quelle: WikiArt – Alfred Jensen (c) FairUse

Wenn man erst mit über 50 Jahren zu malen beginnt, dann muss das Gründe haben. Bei Alfred Jensen ist der Grund eher einfach: Er führte ein abenteuerliches Leben. In Guatemala aufgewachsen, Vater Däne, Mutter Deutschpolin, wurde er als Jugendlicher zurück nach Dänemark geschickt, büchste aus, befuhr als Schiffsjunge die Weltmeere und lernte dann auf einer Münchner Kunstschule eine reiche (und viel ältere) Amerikanerin kennen, die Kunst sammelte; mit ihr reiste er 25 Jahre lang nicht nur als Berater durch die Welt.

Als sie 1951 starb, begann er von vorn, mietete in New York ein Atelier, probierte den Abstrakten Expressionismus und fand dann bald zu einer geometrisch-formelhaften konzeptuellen Malerei, in der er die Farben seiner mittelamerikanischen Heimat zum Leuchten brachte. …

Steht man … vor diesen Farbspielen, die meist innerhalb von Schachbrettmustern stattfinden und so ein System bekommen, dann weiß man ziemlich bald, dass eine Wiederentdeckung lohnt. Denn trotz allen Geredes von Goethes Farbenlehre, die angeblich den Hintergrund dieser Malerei bildet, ist die mittelamerikanische Tradition dominant: diese Bilder wirken wie gemauert, wie Maya-Tempel, auf deren Fassade pastos und ausdrucksstark gemantscht wurde. Volkskunst, die in die Moderne transportiert wird, leuchtend, spielerisch, kindlich und doch hochabstrakt.

Denn natürlich kannte Jensen auch die Farbkreise von Robert Delauney oder die Quadrate von Josef Albers. Und er wusste, dass die Schrift Teil des Bildes sein kann – oder die Zahl. Zahlen malen, die Zahlenmystik indianischer Kulte in die Kunst zu befördern, das betrieb er nun mit fast manischer Vehemenz. … Später kommen bei Jensen pyramidale Formen hinzu und – oft in Pfeilform – zeitgeschichtliche Phänomene wie Juri Gagarins Raumfahrt. Alfred Jensen aber sah sich nicht als Modernist, sondern als Maler der alten, der ältesten Kulturen: Ziel seiner so mathematisch anmutenden Versenkung in die Farbe war nicht das Jetzt, sondern die Ewigkeit.

Quelle: Christian Gampert, „Ein Amerikaner in der Schweiz“, Deutschlandfunk Online, 01.05.15, online unter: https://www.deutschlandfunk.de/alfred-jensen, aufgerufen am 26.12.19

Hier noch der Link zur Webseite des Künstlers mit jeden Menge mehr Informationen und Bilder seiner Werke: Alfred Jensen

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